Coaching & Inspiration auf Twitter

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Christoph Schalk, langjähriger Coach und Diplom-Psychologe, "zwitschert" Ihnen regelmäßig eine Coaching-Frage oder einen inspirierenden Impuls - damit Sie dran bleiben und sich weiterentwickeln.

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Juli 31, 2009 in > Aktuell: Seminare und Angebote <, Coaching, Gemeinde-Innovation, Gemeindegründung, Leitung, Methodik, Natürliche Gemeindeentwicklung , News, OQM, Paradigmen | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Coaching in der Gemeindegründung

Wie kann ein Gemeindegründer seine Mitarbeiter fördern und ins Spiel bringen? Christoph Schalk erklärt, wie lösungsorientiertes Coaching dabei helfen kann.

Die Fragen und Werkzeuge des lösungsorientierten Coachings sind:

Zielfrage
Häufig ist der Einstieg in ein Gespräch ein Problem, das jemand wahrnimmt. Was nervt und frustet, wird beschrieben. Der Coach nimmt diesen Einstieg, um die Energie in Richtung des Ziels umzulenken: „Was hättest du gerne statt des Problems?“ oder „Was wünscht du dir in Bezug auf dieses Thema? Was sollte anders sein, wenn unsere Gespräche hier optimal laufen?“ Diese Bewegung weg von Problemen und hin zu Wunschzuständen ist die erste Grundlage im Coaching und richtet den Blick in eine vielversprechende Richtung.

Skalenfrage
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit stehen häufig viele Schritte und es ist nicht immer klar, wie der Weg dorthin aussehen könnte. Aufgabe des Coachs ist, die Ressourcen in dieser Situation erkennbar zu machen und die Bewegung in Richtung Ziel mit kleinen Schritten zu starten.

Die Skalenfrage hilft dabei: „Auf einer Skala von 0 bis 10 – wobei 0 den am schlimmsten möglichen Zustand darstellt und 10 das Ziel deiner Träume – wo stehst du im Moment auf dieser Skala?“ Nach einer Selbsteinschätzung kann der Coach Ressourcen aufdecken: „Okay, du stehst bei 4. Das ist besser als 1 oder 2. Was machst du bereits, das dich auf eine 4 bringt?“ Außerdem kann der Coach die nächsten Schritte konkretisieren: „Was würdest du bei 5 anders machen als im Moment?“ Dadurch erkennt die Person klarer, was sie beitragen kann, um sich Richtung Ziel zu entwickeln. Häufig sind es diese beiden Faktoren, die das Coaching effektiv werden lassen: das Erkennen von Ressourcen und das Bewegen in die richtige Richtung.

Ressourcenfrage
Da Coaching Hilfe zur Selbsthilfe ist, ist der Coach daran interessiert, die Ressourcen aufzudecken, die die Person nutzen kann. Das können innere Ressourcen sein (Selbstvertrauen, Wissen, Erfahrung, Kreativität usw.), äußere Ressourcen (wie Beziehungen, Bücher, Geld, Zeit usw.) oder benötigte Ressourcen. Dabei stellt der Coach die Frage: „Welche Ressourcen benutzt du schon in der Situation? Welche Ressourcen könnten dir noch zur Verfügung stehen?“ Es ist hilfreich, wenn der Coach immer wieder nachfragt und bei etwas Unsicherheit ein Brainstorming vorschlägt, das er zusammen mit der Person durchführen kann.

Wunderfrage
Manchmal ist eine Person so in ihrer Situation gefangen, dass sie nicht sehen kann, was sie will oder was möglich ist. Die sogenannte „Wunderfrage“ hilft dabei, diese Limitationen zu überwinden, indem sie fragt: „Ich möchte dir jetzt eine ungewöhnliche Frage stellen. Stell‘ dir vor, du gehst nach Hause und legst dich wie immer zu Bett. Während du schläfst, geschieht ein Wunder. Das Wunder besteht darin, dass das Problem, das dich hierher geführt hat, gelöst ist. Allerdings weißt du nicht, dass das Wunder geschehen ist, weil du ja schläfst. Wenn du also morgen früh aufwachst, woran erkennst du, dass das Wunder tatsächlich geschehen und das Problem, das dich hierher geführt hat, gelöst ist?” Wenn die Person die „Zeichen des Wunders“ für sich beschreiben kann, kann der Coach mit weiteren Fragen arbeiten und den Weg zum Wunder konkretisieren.

Zirkuläre Frage
Ähnlich wie die Wunderfrage hilft die zirkuläre Frage dabei, den Blick aus der eigenen Situation heraus zu weiten und neue Perspektiven zu gewinnen. Zirkulär heißt die Frage, weil sie die Person dazu bringt, aus der eigenen Haut herauszuschlüpfen und aus einer anderen Perspektive auf den eigenen Lebenskreis (Zirkel) zu schauen. Die Frage könnte lauten: „Was würdest du dir selbst in dieser Situation raten, wenn du dein eigener Mentor wärst?“ oder „Woran würde dein bester Freund erkennen, dass du dich Richtung Lösung entwickelst?“ oder „Was würde Gott dir in dieser Situation raten?“

Coaching kann wunderbar funktionieren und Situationen nachhaltig zum Besseren verändern. Sicherlich braucht es dazu etwas Übung. Diese kurze Beschreibung kann nur ein Ansatz sein. Ein wichtiger Schlüssel für die Praxis ist: Tue das, was funktioniert - und tue mehr davon. Mehr von dem zu multiplizieren, was Frucht bringt, ist ein weiser und hilfreicher Ansatz - auch in der Gemeindegründung.

Juli 10, 2009 in Coaching, Gemeindegründung, Leitung, Methodik | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (1)

Natürliche Gemeindeentwicklung und REVEAL – Vergleichbare Ansätze?

Comparison_2

"REVEAL" – so heißt ein von Willow Creek neu entwickeltes Tool. Ein Fragebogenverfahren, das Einblick geben will in die geistliche Entwicklung und Zufriedenheit von Gemeindemitgliedern. Auf Fragen von Gemeindeleitern und Gemeindeberatern hin hat Christian A. Schwarz einen Artikel geschrieben, der die Unterschiede zwischen "REVEAL" und Natürlicher Gemeindeentwicklung (NGE) erklärt.

Download Artikel von Christian A. Schwarz:

Oktober 20, 2008 in Methodik, Natürliche Gemeindeentwicklung , News, Paradigmen | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Swing - Dein Leben in Balance

Kerstin Hack

Swing_dein_leben_in_balance_3Fünf Tage arbeiten bis zum Umfallen, dann zwei Tage Pause, bevor das Ganze wieder von vorne losgeht. Soll das Leben sein? SWING weist einen anderen Weg. Das CoachNet Training Center (CTC) führte dazu einen Workshop durch, der diesen verblüffend einfachen und praktikablen Weg zu mehr Ausgewogenheit und Lebensqualität vorstellte. Hier ein kurzer Rückblick.

Vom 6. – 7. März traf sich eine bunt gemischte Gruppe von Menschen in den Räumen des CoachNet Training Centers (CTC) in Würzburg. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie finde ich zu mehr Balance in meinem Leben? Wie das ganz praktisch gelingen kann, das wollten die Teilnehmer miteinander entdecken. Die Grundlage für das Seminar bildete das von Kerstin Hack entwickelte Konzept, über das die Referentin auch ein inspirierendes Buch geschrieben hat – mit dem Titel "Swing. Dein Leben in Balance".

Das Konzept beruht darauf, dass es sieben Lebenselemente gibt, die in ausgewogener Mischung im Leben vorhanden sein müssen, um ein ausgeglichenes und dynamisches Leben führen zu können:

  • Explosive Kreativität
  • Beruhigende Ordnung
  • Nachhaltige Produktivität
  • Gesunder Rhythmus
  • Sprudelndes Leben
  • Belebende Beziehungen
  • Kraftspendende Ruhe

Kerstin_hackAls die Teilnehmer zu Beginn des Seminars ihr persönliches Balance-Profil erstellten, hatten Sie die ersten Aha-Erlebnisse. Ihnen wurde bewusst: Wenn ein Lebenselement auf Dauer zu kurz kommt, wird das Leben unausgeglichen. Fehlt die Kreativität, wird es fade, fehlt die Ordnung wird es chaotisch, fehlt die Produktivität, wird es sinnlos, fehlt die Vorfreude auf bestimmte Ereignisse wird es eintönig, fehlt die Lebensfreude, wird es kraftlos, fehlen die Beziehungen wird es einsam und fehlt die Ruhe, wird es stressig.

Dem folgte die zweite neue Erkenntnis: Ein Übermaß in einem Bereich kann den emotionalen Mangel in einem anderen Bereich nicht ausgleichen. Fehlen gesunde Beziehungen, nützt es nichts, die eigene Kreativität im höchsten Maß auszuleben. Fehlt die Lebensfreude, nützt es nichts, wenn man immer mehr arbeitet, um produktiver zu werden.

Swing_teilnehmerAusgehend von dieser Über-blicksperspektive wurden dann die sieben einzelnen Bereiche eingehender betrachtet. Die zentrale Frage, die in kreativen Übungen, anhand von Reflexionsaufgaben und in Gruppengesprächen behandelt wurde, war jeweils: Was brauche ich, um diesen Bereich weiter auszubauen? Beeindruckend war hier, wie die Teilnehmer sich gegenseitig unterstützten. Diejenigen, die in einem bestimmten Bereich ihre Stärken hatten, gaben den anderen wertvolle Anregungen und praktische Tipps, wie sie diesen Bereich stärken konnten.

Im Mittelpunkt stand immer der entlastende Gedanke: Du musst nicht plötzlich alles verändern. Konzentriere dich auf den Bereich, der in deinem Leben chronisch zu kurz kommt und stärke ihn. Das wird zu einer Verbesserung der gesamten Lebensqualität führen – ähnlich wie in der Natürlichen Gemeindeentwicklung (NGE) die Konzentration auf den "Minimumfaktor" in relativ kurzer Zeit entscheidende Verbesserungen bewirkt.

Für die Teilnehmer haben sich die zwei Tage Beschäftigung mit dem Thema gelohnt, wie aus dem Feedback erkennbar war. Sie entdeckten für sich beispielsweise …

  • Ich darf und soll gestalten.
  • Ich darf sein.
  • Ordnen stärkt Lebenskraft.
  • Genau hinsehen ist wichtig. Konkretes gibt Kraft.
  • Ordnung ist nicht uncool, sondern clever.
  • Kreativität einplanen ist wichtig.
  • den Satz: "Ich habe keine Zeit ist ein Versteck."

Ein Teilnehmer fasste seine Erfahrungen nach den zwei Tagen folgendermaßen zusammen:

"Swing als Seminar ist noch besser als das Buch."

Mehr zu SWING

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Wer das Seminar in Würzburg verpasst hat, muss nicht traurig sein. Die Referentin veranstaltet in Berlin etwa alle zwei Monate ein intensives Tagesseminar zum Thema "Swing. Dein Leben in Balance." Das nächste Seminar in Berlin findet am 20. Juni 2008 statt. Weitere Termine und Infos

Das nächste Wochenendseminar zum Thema "Swing. Dein Leben in Balance" findet voraussichtlich vom 20. – 22. März 2009 in Solingen statt.

Außerdem kann Kerstin Hack zu Seminaren in die eigene Gemeinde und Organisation eingeladen werden. Sie bietet außerdem persönliches Life-Balance-Coaching an. Weitere Infos

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Kerstin Hack leitet den Berliner Down-to-Earth Verlag (www.down-to-earth.de). Als Autorin, Coach, Referentin und Verlegerin will sie Menschen inspirieren und in ihrer eigenen Entwicklung unterstützen.

Mai 31, 2008 in > Aktuell: Seminare und Angebote <, Coaching, Methodik | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

From Followers to Leaders

Robert E. Logan und Tara Miller

Follow_rocks_2Eine kürzlich durchgeführte Gemeindestudie stellte die Frage: "Was ist Ihr größter Mangel in der Gemeinde?" Die am häufigsten gegebene Antwort lautete: "Die Ausbildung von Leitern."

Die meisten Pastoren und Gemeinden haben keine klare Vorstellung, wie sie Leiter aus der eigenen Gemeinde ausbilden können. Uns ist zwar klar, dass alles, was wir bisher in dieser Hinsicht ausprobiert haben, nicht funktioniert, aber wir haben noch keine praktikablen Alternativen gefunden.

"From Followers to Leaders: The Path of Leadership Development in the Local Church" (Leiterausbildung in der Ortsgemeinde), das neue Buch von Robert E. Logan und Tara Miller, weist einen klaren und flexiblen Weg zur Ausbildung von mehr und besseren Leitern innerhalb der Ortsgemeinde – Leiter, die in enger Verbindung mit Gott stehen, in der Beziehung zu ihm wachsen, ihre Berufung leben, ihre von Gott gegebenen Gaben einsetzen und in gesunde Beziehungen zu anderen Menschen investieren. Solche Leiter, die im engen Kontakt zu Gott stehen, können auch ganzheitliche, tief greifende Veränderungen im Leben anderer Menschen fördern.

"From Followers to Leaders" hilft Gemeindeleitern eine Ausbildung für Leiter ins Leben zu rufen, die einfach, reproduzierbar und übertragbar auf Ihren eigenen Gemeindekontext ist. Sie müssen nicht das neueste System aus der angesagtesten Megagemeinde importieren. Sie brauchen nur etwas ganz Einfaches, das auch funktioniert. Und hier sind die Geheimnisse, warum dieser Weg wirklich funktioniert:

  • Er ist beziehungsorientiert, das heißt einfach an die konkreten Bedürfnisse und Ziele von Einzelpersonen und Gemeinden anzupassen.
  • Er ist ganzheitlich. Er geht davon aus, dass jeder Mensch aus Geist, Verstand und Gefühl besteht, beziehungsorientiert ist - und dass alle diese Bereiche untrennbar miteinander verbunden sind.
  • Er ist einfach zu reproduzieren, unabhängig von besonders begabten Menschen, teurem Arbeitsmaterial oder komplexen Systemen.

Wenn Sie keine Lust mehr haben darauf zu warten, dass fertig ausgebildete Leiter über Ihre Türschwelle treten, dann ist dieses Buch für Sie geschrieben. Im Folgenden finden Sie eine kapitelweise Zusammenfassung.

Kurzdarstellung

Das Buch beschreibt den Bogen der Entwicklung vom Noch-nicht-Nachfolger über den Nachfolger, den Lernenden, den Leiter bis hin zum Anleitenden für andere. Dabei legt es das Augenmerk darauf, wie die einzelnen geistlichen Entwicklungsstadien nahtlos ineinander übergehen können.

Kapitel 1: Leiter gesucht? Das erste Kapitel stellt klar, wie wichtig die Ausbildung von Leitern für die Ortsgemeinde ist. Was wir bisher gemacht haben, funktioniert nicht… wir brauchen einen neuen Ansatz, einen beziehungsorientierten, bewusst gestalteten, flexiblen und ganzheitlichen Ansatz. Dieses Buch ist für jeden, der Leiter im Kontext einer normalen Ortsgemeinde ausbilden möchte.

Kapitel 2: Überblick über die Leiterausbildung. In diesem Kapitel findet sich eine Kurzbeschreibung der Leiterausbildung, die im Rest des Buches vertieft wird. Statt einem Modell, das man kopieren kann, handelt es sich eher um eine Schablone, an der man die Gegebenheiten des jeweiligen Dienstes orientieren kann.

Kapitel 3: Die große Wolke ganz verschiedener Zeugen. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Leben von fünf biblischen Leitern und deren Entwicklung, wie wir sie in der Bibel sehen: Mose, David, Esther, Petrus und Paulus. Gott arbeitet mit jedem von ihnen auf ganz unterschiedliche Weise – sie haben unterschiedliche Persönlichkeiten, Probleme und Berufungen. Darüber hinaus gibt es auch einige gemeinsame Themen, die sich durch ihr Leben durchziehen und sich auf den Werdegang eines Leiters übertragen lassen.

Kapitel 4: Der Weg des Glaubens: ein Nachfolger Jesu werden. Für Jesus begann der Werdegang eines Leiters mit Evangelisation – er setzte bei Menschen an, die ihm noch nicht nachfolgten, und machte sie von dort aus zu Leitern. Als Jesus seine Jünger berief, ging er nicht zu religiösen Menschen; er ging zu Menschen, die von Grund auf eine Lebensveränderung erfahren mussten. Und dann forderte er uns auf, loszugehen und dasselbe zu machen. Leiterausbildung fängt also nicht bei den Menschen in den Gemeinden an, sondern bei den Menschen, die außerhalb unserer Gemeinden stehen.

Kapitel 5: Der Weg des Dienens, Wachsens und Betens: Geistliches Wachstum. Geistliches Wachstum ist entscheidend für die Leiterausbildung. Nachfolger, die Frucht bringen und im Glauben wachsen, bilden den Pool, aus dem man zukünftige Leiter holen kann. Wie also bemühen wir uns gezielt darum, Menschen dabei zu helfen, sich im Glauben weiterzuentwickeln? Und wie können wir anderen dabei helfen, sich in das Bild Jesu zu verwandeln?

Kapitel 6: Der Weg der Weiterentwicklung: aufstrebende Leiter. Wie können Menschen am besten lernen, wenn sie neue Herausforderungen und Aufgaben annehmen? Aufstrebende Leiter brauchen Unterstützung, die beziehungsorientiert und praktisch ist sowie sich an ihren Fähigkeiten orientiert. Sie brauchen die Freiheit sowohl zu scheitern als auch Erfolg zu haben - und dann Zeit, ihre Erfahrungen auszuwerten. Außerdem müssen sie sich charakterlich weiterentwickeln – in der Interaktion mit anderen, durch Lebensumstände und durch das Vorbild anderer.

Kapitel 7: Der Weg des Leitens: Unterstützung und Anleitung. Wenn Menschen sich selbst finden, ihre Gaben und ihre Berufung entdecken und Kompetenz in ihrer Aufgabe entwickeln, werden sie vorwärtsgehen und Gruppen und Teams anleiten. Diese neue Rolle, nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere verantwortlich zu sein, bringt neue Herausforderungen mit sich. Wie können wir kontinuierlich Unterstützung für Leiter anbieten, wenn sie anfangen, andere Menschen anzuleiten?

Kapitel 8: Der Weg der Multiplikation: Investieren in andere. Jesus forderte seine Jünger dazu auf, anderen das zu zeigen, was er ihnen gezeigt hatte. Das heißt: Andere so weit bringen, dass sie sich nicht nur selbst weiterentwickeln, sondern auch andere vorwärtsbringen können. Menschen darin anzuleiten, Teams zu leiten, ist nicht das Ende des Weges, sondern – in einem sehr realen Sinn – der Anfang. Wenn wir unsere Leiterausbildung bewusst gestalten, dann beginnt der Prozess sich von selbst zu reproduzieren. Und draußen sind noch andere, die diese Reise mitmachen wollen.

Kapitel 9: Wohin geht die Reise? Erste Schritte auf den Weg. Dieses abschließende Kapitel beschäftigt sich mit der Frage: "Was kommt jetzt?" Es beschreibt verschiedene Optionen für alle, die sich bewusst um die Leiterausbildung in ihrem eigenen Dienst kümmern wollen. Auf der Webseite von CoachNet finden Sie maßgeschneiderte Lösungen für bestimmte Bereiche, wie etwa Natürliche Gemeindeentwicklung (NGE) oder Gemeindegründung.

Weitere Infos und Bestellung bei ChurchSmart Resources unter www.churchsmart.com. (Das Buch ist nur auf Englisch erhältlich)

Bob Logan leitet CoachNet International Ministries. Als international anerkannter Fachmann in Gemeindegründung, Gemeinde- und Leiterschaftsentwicklung entwickelt er innovative Strategien zur Förderung von gesunden, multiplikativen Gemeindebewegungen.

Tara Miller ist als Autorin tätig und entwickelt Mitarbeitermaterialien für CoachNet.

Mai 10, 2008 in Coaching, Leitung, Methodik, Rezensionen | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Mentoren gesucht!

Neil Cole

Strategie_2Die Missionsstrategie des Paulus als Modell für die Multiplikation von Mentoren.

Jesus wusste, was fehlte, um eine große Ernte reifer Seelen einzubringen: "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter" (Mt 9,37). Auch heute braucht die Kirche einen Weg, um Arbeiter für eine größere Ernte zu multiplizieren. Durch Multiplikation der Arbeiter kann sowohl die Reichweite als auch die Intensität der Ernte gesteigert werden. Man redet heute viel von Mentoren. Es ist in der Tat wichtig, Leiter durch Mentoring-Beziehungen zu unterstützen. Aber noch wichtiger ist es, Mentoren zu multiplizieren.

Als ein biblisches Beispiel für die Multiplikation von Mentoren beschäftigt sich dieser Artikel mit dem Apostel Paulus.

Zweite Missionsreise  (Apg 15,36 – 18,22)

Auf seiner zweiten Missionsreise zwang Gott Paulus dazu, seine Strategie zu ändern und eine multiplikative Gemeindegründungsstrategie zu verfolgen. So schickte er ihn in eine der dunkelsten Städte der damaligen Zeit: nach Korinth. Auf der Reise dorthin reduzierte Gott das Missionsteam des Paulus (zunächst bestehend aus Paulus, Silas, Timotheus und Lukas) schrittweise, bis Paulus schließlich "alleine" in Korinth zurückblieb.

Gott zeigte Paulus auf eindrückliche Weise, dass es ihm nie gelingen würde, ein Team aufzubauen, das groß genug sein würde, um in jeder Stadt, in die er kam, jemanden zurücklassen zu können. Paulus merkte, dass der Produktionsbedarf die Produktionskapazitäten bei weitem überstieg. Sein Team war ausgerechnet dann völlig dezimiert, als er in der dunkelsten aller Städte ankam. Der Bedarf, das Evangelium zu verkünden, war weit größer, als sein Einfluss als Leiter reichte.

Gott wollte Paulus eine Lektion beibringen. Er erschien ihm in einer Vision, um ihn zu ermutigen, aber er instruierte ihn auch: "Bleib in der Stadt, mache Menschen zu Nachfolgern Jesu, die du in die ganze Welt schicken kannst. Du bist nicht alleine, ich bin mit dir, und hier gibt es viele Menschen, die dich bei deinen Bemühungen unterstützen werden." Lukas beschreibt es folgendermaßen: "Der Herr aber sagte nachts in einer Vision zu Paulus: Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir, niemand wird dir etwas antun. Viel Volk nämlich gehört mir in dieser Stadt. So blieb Paulus ein Jahr und sechs Monate und lehrte bei ihnen das Wort Gottes" (Apg 18,9-11).

Dies markierte eine einschneidende Wende in der Methode des Apostels. Gott forderte Paulus im Prinzip dazu auf, ein Team direkt aus der Ernte heraus zu bilden. Hier in Korinth lernte Paulus die Strategie, Gemeindegründer aus einer einzigen Gemeindearbeit heraus zu multiplizieren. Mitarbeiter, die er dann aussenden konnte, um Menschen zu Nachfolgern Jesu zu machen und neue Gemeinden zu gründen. Bald nach dieser Vision gewann Paulus Aquila und Priscilla für Jesus und wurde ihr Mentor. Diese beiden wurden später von Gott gebraucht, und zwar nicht nur in Korinth, sondern auch in Syrien, Rom und Ephesus. Anstatt nur eine Gemeinde zu gründen, multiplizierte Paulus sich selbst in einem Missionsteam, das überall im römischen Reich Gemeinden aufbauen konnte, genauso wie er es einst getan hatte. Paulus stellte fest, dass er das Evangelium doppelt so weit und doppelt so schnell verbreiten konnte, wenn er seine Energie darauf konzentrierte, sich als Leiter zu reproduzieren.

Der Plan ging auf. Die Produktionskapazität weitete sich aus, und die Produktion von Nachfolgern Jesu und Gemeinden nahm exponential zu. Paulus begann mit Priscilla und Aquila. Diese beiden zogen los und machten es genauso wie er. Auf diese Weise multiplizierten sie die Bemühungen des Paulus. Apollos, ein Nachfolger Jesu der dritten Generation, wiederum multiplizierte deren Bemühungen um ein Vielfaches. Paulus hatte eine strategische Lektion von seinem Lehrer gelernt, die eine entscheidende Rolle in seinen weiteren Missionsreisen spielen sollte.

Dritte Missionsreise (Apg 18,23 – 21,16)

Nachdem Paulus diese wertvolle Lektion gelernt hatte, investierte er sich auf seiner nächsten Reise ausschließlich in die Aufgabe, Mentor und Multiplikator für Leiter zu sein, die er aus der Ernte heraus ausbildete und als Arbeiter in die Ernte schicken konnte. Für diese Reise brauchte er nur ein Ein-Mann-Team – Paulus, den sich multiplizierenden Mentor. Paulus setzte innerhalb von drei Jahren eine regionale Gemeindegründungsstrategie von Ephesus aus um, durch die er ganz Kleinasien mittels Multiplikation erreichte (Apg 19,8; 20,31).

Seine Missionsreise führte ihn nicht in alle Städte Kleinasiens. Stattdessen blieb er in Ephesus, bildete Männer aus und schickte sie los, um ganz Kleinasien mit dem Wort Gottes zu erreichen. Ephesus wurde zur Muttergemeinde aller Gemeinen in Kleinasien. Später schrieb Paulus Briefe an Gemeinden, die er nie selbst gesehen hatte (Kol 2,1).

In Apostelgeschichte 19 und 20 finden wir sieben Schlüsselstrategien, die Paulus verfolgte, als er von Ephesus aus eine Bewegung steuerte, die das Evangelium über den ganzen Kontinent verbreiten sollten:

1. Paulus eröffnete eine lokale Basis für die Ausbildung von Gemeindegründern (Apg 19,9; 20,18).

2. Paulus setzte durch sein Vorbild sowohl in großen Versammlungen als auch im kleineren Rahmen eine Lehr- und Mentoring-Strategie um (Apg 20,19-20).

3. Paulus integrierte Evangelisation in die geistliche Ausbildung seiner Nachfolger ein als Grundlage für die Zurüstung von Leitern für den Dienst (Apg 20,21).

4. Paulus setzte die Macht des Wortes Gottes im Leben von Menschen frei, um die Multiplikationsbewegung von der Basis her zu stützen (Apg 19,20).

5. Paulus gab dem Heiligen Geist den ihm zustehenden Raum, um Nachfolger in den Dienst zu führen (Apg 20,28).

6. Paulus investierte sich in persönliche Mentoring-Beziehungen (Apg 20,31).

7. Paulus unterstellte seine Leiter der direkten Verantwortlichkeit gegenüber Gott. So war seine Anwesenheit nicht für die Fortführung seines Dienstes notwendig (Apg 20,32).

Wenn man eine Fotokopie von einer anderen Fotokopie macht, lässt die Qualität leicht nach. Wenn man von dieser Fotokopie wiederum eine Kopie macht, verschlechtert sich die Qualität noch einmal mehr. Mit jeder nachfolgenden Generation wird das Ergebnis unschärfer, bis es dem Original schließlich nicht mehr sonderlich ähnelt. Jede Kopie von einer Kopie enthält alle Fehler der vorangegangenen Kopien und steuert selbst noch ein paar Fehlstellen bei. Die Lösung besteht darin, alle Kopien direkt von Original zu machen; auf diese Weise minimiert man die Anfälligkeit für Fehler und stellt sicher, dass die Kopie dem Original so stark wie möglich gleicht. Eine Kopie kann dem Original im besten Fall sehr ähnlich sein – es gibt eben nur ein Original.

Wenn es darum geht, Nachfolger und Leiter zu reproduzieren, lässt sich dasselbe Prinzip anwenden. Jede nachfolgende Generation muss direkt mit dem Original verbunden sein, wenn sie die Reinheit und die Schönheit Gottes erhalten und widerspiegeln möchte. Jede Generation, die nur eine Kopie Gottes nachmacht, enthält die Fehler aus zwei Generationen. Jesus sagte, dass ein Schüler nicht besser sein kann als sein Lehrer; im besten Fall kann er so gut sein wie sein Lehrer (Mt 10,24-25). Wenn der Lehrer jeweils nur das nächst höhere Glied in der Kette ist, dann sinkt die Qualität der Schüler und Lehrer mit jeder Generation. Wenn aber der Schüler lernen kann, Gott als Lehrer zu haben, dann bleibt die Qualität der Schüler gleichbleibend hoch. Nach diesem Modell kann ein Schüler sogar einen größeren Einfluss haben als sein menschlicher Lehrer, wenn er Gott als seinem Lehrmeister nachfolgt.

Paulus hatte verstanden, dass die Menschen, die er ausbildete, Jesus als den eigentlichen Lehrmeister haben mussten. Sie mussten seine Schönheit, seine Reinheit und seine Gestalt in ihrem eigenen Leben verkörpern. Paulus war nur eine Kopie des Lehrmeisters; sie mussten direkt in Kontakt mit dem Original treten. Aus diesem Grund sagte er am Ende zu den Menschen, die sein Werk fortführen sollten:

"Und nun vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an - seiner Botschaft, die euch ermutigen und euch ein Erbe geben kann gemeinsam mit allen, die er für sich ausgesondert hat" (Apg 20,32).

Paulus hatte eine Schlüsselstrategie entdeckt, die nicht nur seine eigenen Bemühungen multiplizierte, sondern auch möglich machte, dass sein Wirken in seiner Abwesenheit weitergeführt werden konnte. Das war offensichtlich ein Problem bei den Gemeinden, die er auf seinen früheren Missionsreisen gegründet hatte (Gal 4,18-20). Und so war es möglich, dass seine vierte Missionsreise, die ihn in Gefangenschaft nach Rom führte, gleichzeitig seine erfolgreichste Reise wurde.

Übersetzung einer gekürzten Fassung des Artikels "A Fresh Perspective of Paul's Missionary Strategies: The Mentoring for Multiplication Model"

Download Originalartikel auf Englisch (PDF, 75 KB)

Neil Cole leitet "Church Multiplication Associates" in Kalifornien, U.S.A., eine Organisation zur Förderung von Gemeindemultiplikation. Weitere Informationen: www.cmaresources.org.

Mai 1, 2008 in Gemeindegründung, Leitung, Methodik, Paradigmen | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Gottes Liebe zum Anfassen!

Günther Hess

UntitledWie kann Christsein im heutigen Berlin praktisch und konkret werden? Mit der Initiative In-Meiner-Straße e.V. zeigt der Berliner Günther Hess, wie eine kreative und wirksame Antwort aussehen kann. Der Berliner Verein versteht sich als Netzwerk für lokale Kleingruppen von Christen, die sich in ihrer Nachbarschaft – idealerweise in ihrer eigenen Straße – praktisch einsetzen und Gottes Liebe zu den Menschen konkret machen.

Die Entwicklung von In-Meiner-Straße e.V. schildert Günther Hess folgendermaßen:

1. Die Wurzeln von inmeinerstrasse.de liegen eigentlich in Berlin-Kreuzberg. Dort habe ich in einem Nachbarschaftsladen in der Falkensteinstraße mitgemacht.

  • Das kleine Cafe war ein Anziehungspunkt für viele Obdachlose und Gestrandete kurz nach der Wende. Innerlich fragte ich Gott, wie man denn einen breiteren Querschnitt der Menschen in Berlin erreichen könnte.


  • Von türkischen Freunden habe ich gelernt, dass ein Weg dazu in die Wohnzimmer der Menschen führt: Zusammensitzen und Teetrinken.


  • Im Studium bin ich dann kurz mit dem Thema "Bürgerschaftliches Leben" in Berührung gekommen.

Aus diesen drei Bausteinen ist schließlich – nach Gebet, viel Zeit, in der die Idee reifen konnte und einer Reise nach Indien – die Vision von www.inmeinerstrasse.de entstanden. Seit etwa eineinhalb Jahren haben wir nun angefangen, konkret für die Umsetzung der Ideen zu beten und erste praktische Schritte zu gehen.

Mehr zum Grundgedanken

Mehr zu den Werten

2. Vor einigen Wochen entdeckte ich dann zu meiner Überraschung die Seite www.loveyourstreet.org von Laurence Singlehurst aus England. Noch nie zuvor hatte von einer anderen Person mit einer ähnlichen Idee gehört. Meine Begeisterung war groß!

Auch bei dieser Initiative geht es darum, Gottes Liebe als einzelne Person oder als christlicher Hauskreis in ganz praktischer Weise - ohne jede Vorbedingung - in der eigenen Nachbarschaft zu demonstrieren. Egal, ob die Menschen etwas mit dem christlichen Glauben am Hut haben oder nicht. Zu den praktischen Beispielen, die auf der Webseite genannt werden, gehören: gemeinsames Basteln, gemeinsame Partys, "Streife" laufen in der Nachbarschaft oder Hilfsbedürftigen unter die Arme greifen.

Darüber hinaus geht es dieser Initiative auch um das geistliche Wohlergehen der Menschen aus der eigenen Straße. Das wird im Slogan: "Be the secret pastor to those on your street" zusammengefasst – "Sei der inoffizielle Pastor für Menschen aus deiner Straße".

In seiner Antwortmail an mich fasst Laurence Singlehurst die Idee von www.loveyourstreet.com noch einmal schön zusammen:

"… So glad you like the idea. It is a very practical concept. As you can see from the website we have linked it with this thought of every Christian being a secret pastor, that we all have our own congregations, except ours are non-Christians and we love these good folks unconditionally but seek their spiritual welfare. Loving Your Street is a part of that. …"

3. Als ich diese Website entdeckte, fiel mir ein Gedanke aus dem Buch The Externally Focused Church von Rick Rusaw und Eric Swanson ein, das mir jemand vor ein paar Monaten gegeben hatte.

Dort erwähnt der Autor in seiner Einleitung einen großen Waldbrand, den er einmal miterlebt hat. Die betroffenen Menschen - und auch er selbst - waren von diesem Ereignis tief beeindruckt. Dieser Brand musste - so glaubten sie -eine der größten bisher eingetretenen Brandkatastrophen gewesen sein. In einem späteren Fernsehbericht sah der Autor jedoch, wie viele andere Brände - darunter auch viel größere Brände als den selbst miterlebten Brand - unabhängig voneinander am Brennen waren.

In dieser Erfahrung sieht der Autor dann ein Bild für die neue Bewegung Gottes, die an vielen Stellen unabhängig von einander heute aufbricht. Eine Bewegung, in denen Christen anfangen, Menschen in ganz praktischer, bürgerschaftlicher Weise zu dienen:

"There is a movement creeping its way across churches of all shapes, sizes, and denominations. It's gaining ground. .. They seek to be salt, light, and leaven in the community. They see themselves as the 'soul' of the community. They would be greatly missed by the community if they left." (S. 12 – The Externally focused Church)

4. Schließen möchte ich diesen kurzen Bericht mit einer provokativen Frage aus diesem Buch:

Was würden ganz normale, säkulare Menschen aus der Umgebung sagen, wenn ihre Gemeinde, ihr Hauskreis oder ihre Hauskirche plötzlich ihre Pforten schließen müsste und sie aufhören würde zu existieren?

Was wäre die Antwort? Protest? – Trauer? – Die Bitte, doch weiter zu machen? – Oder ist es so, dass ihre Gemeinde es noch nie geschafft hat, diesen Menschen spürbar zu vermitteln, dass sie wirklich gute Absichten hegen? – Bekanntlich ist ja das simple Hegen guter Absichten eine äußerst nutzlose Tätigkeit.

Weitere Informationen:

Internet: www.inmeinerstrasse.de

Blog: www.c-strasse.de

Günther Hess lebt in Berlin und ist Gründer des Nachbarschaftsprojektes In-Meiner-Straße e.V. Kontakt: hess@inmeinerstrasse.de

April 21, 2008 in Gemeinde-Innovation, Methodik, News, Paradigmen | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (1)

Gemeinschaft ist nicht "programmierbar" (2)

Joseph R. Myers

BelongingGemeinschaft ist ein komplexes Wesen. Ein Grund für diese Komplexität liegt darin, dass es eine Vielzahl an Missverständnissen zu diesem Thema gibt. Drei dieser gängigen Irrtümer wurden bereits in Teil 1 vorgestellt. Drei weitere folgen hier …

Mythos 4: Mehr Persönlichkeit = tiefere Verbundenheit

Viele glauben, einige Menschen besäßen eine natürliche Fähigkeit, die es ihnen ermögliche, anderen auf einer tieferen Ebene zu begegnen. Sie gehen davon aus, dass eine geselligere, extrovertiertere Person weniger Schwierigkeiten hat, eine tiefere Verbundenheit und Gemeinschaft mit einer anderen Person zu erfahren als schüchterne Menschen.   

Dieser Irrtum gründet sich in einer Wahrnehmung, die sich auf das Äußere einer Begegnung konzentriert. Sie hat wenig mit der tatsächlichen Erfahrung zu tun. Ich habe mehrere extrovertierte Menschen befragt. Von außen betrachtet schienen sie kaum Mühe zu haben, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten. Dennoch wussten diese Personen von einer tiefen Sehnsucht nach Verbundenheit und Zugehörigkeit. Auf der anderen Seite haben mir schüchterne Menschen davon erzählt, wie reich und erfüllt ihr Leben aufgrund tieferer Beziehungen und Gemeinschaftserfahrungen ist.

Introvertiertheit und Extrovertiertheit sind angelernte Formen sozialen Verhaltens. Sie helfen uns, unser tägliches Leben zu steuern. Sie bilden zwei Kategorien, die uns dabei helfen, unsere Erfahrungen auf der Beziehungsebene zu verstehen und zu interpretieren. Introvertierte und extrovertierte Verhaltensweisen wirken sich dabei weder hinderlich noch förderlich auf unsere Erfahrung zwischenmenschlicher Nähe und Verbundenheit aus. Gesunde Gemeinschaftserfahrungen können von introvertierten und extrovertierten Personen gleichermaßen erfahren und entwickelt werden.

Mythos 5: Mehr Nähe = tiefere Verbundenheit

In Erinnerung an eine Zeit, in der Menschen weniger mobil waren als heute, tendieren manche dazu, einem 5. Mythos zu glauben: Geografische Nähe mündet unweigerlich in eine tiefere Gemeinschaftserfahrung. So sagt Randy Frazee, Lehrpastor in der Willow Creek Community Church (USA), beispielsweise: "Eine simple Tatsache ist, dass überall dort, wo man eine funktionierende Gemeinschaft findet, die Menschen nahe beieinander leben."

Diese Aussage ist gleichzeitig wahr und falsch. Es stimmt sicherlich, dass Menschen, die geografisch nahe beieinander leben, auch tiefere Beziehungen miteinander entwickeln und eine tiefere Verbundenheit erleben können. Doch räumliche Wahrnehmungen sind in gewisser Hinsicht auch immer eine Frage der Perspektive. So kann ein Gebäude in einer Situation eine gewisse Distanz vermitteln, in einer anderen Situation jedoch eine ganz andere Bedeutung gewinnen.

Ferner muss man "große Nähe" nicht unbedingt geografisch verstehen. Denken wir beispielsweise nur an wichtige Verbindungen (connections) zwischen Menschen, die digital hergestellt werden. Bulletin Boards ("schwarze Tafeln") und Chat Rooms im Internet, Instant Messaging und SMS-Kommunikation per Handy erfordern keine große geografische Nähe, um Menschen auf bedeutsame Weise miteinander in Verbindung zu bringen.

Mythos 6: Mehr Kleingruppen = tiefere Verbundenheit

Ich habe Pastoren oft zu ihren Gemeinden sagen hören: "Wir freuen uns, dass Sie uns besuchen. Wenn Sie aber wirklich erfahren wollen, was es heißt, Teil unserer Gemeinde zu sein, dann klinken Sie sich in eine unserer Kleingruppen ein."

Hinter solchen Aussagen steckt die Überzeugung: Kleingruppen sind der beste – wenn nicht sogar der einzige – Weg, um authentische Gemeinschaft zu erfahren. Fast jedes Buch, das ich zum Thema Gemeindeaufbau gelesen habe, sieht in Kleingruppen den Schlüssel für eine dynamische Gemeindearbeit und wirbt dementsprechend für den Aufbau von Kleingruppen. Ich habe aber auch gelesen, dass Gemeinden, die Kleingruppen anbieten, mit einer höchstens 30-prozentigen Beteiligung ihrer Gemeindeglieder rechnen können. Auch wenn 30 Prozent Beteiligung ein Zuwachs an Beteiligung im Vergleich zu Gemeinden ohne Kleingruppenangebot bedeutet, ist dieser Beteiligungsanteil doch immer noch sehr gering.

Warum nur 30 Prozent? Der Grund liegt einfach darin, dass Kleingruppen die vielen Facetten der menschlichen Sehnsucht nach Gemeinschaft nicht wirklich abdecken können. Kleingruppen ermöglichen Menschen nur eine bestimmte Art – vielleicht auch zwei Arten – des gegenseitigen "Andockens" auf einer tieferen Beziehungsebene - mehr aber nicht. Die Sehnsucht eines Menschen nach Gemeinschaft ist jedoch komplexer als das, was eine Kleingruppe bieten kann. Die Wahrheit ist, dass Menschen eine tiefere Verbundenheit und Zugehörigkeit zu anderen Menschen in Gruppengrößen von 2 bis 2.000 oder mehr erfahren können. Menschen sind in der Lage, verschiedene Wege auf ihrer Suche nach Gemeinschaft zu verfolgen. Viele Gemeinden haben ausschließlich die Kleingruppenstrategie verfolgt, nur um zu entdecken, dass sie in einer Sackgasse gelandet sind und wieder an dem Punkt stehen, wo sie angefangen haben.

Wahrscheinlich haben die meisten von uns einem oder mehr dieser sechs Mythen Glauben geschenkt – bewusst oder unbewusst. Und die meisten von uns haben sich vermutlich auch betrogen gefühlt, weil sich das dem entsprechenden Mythos zugrunde liegende Versprechen nicht erfüllte. Mir ist es jedenfalls so ergangen. Also begann ich, nach einer authentischen Beschreibung von menschlicher Verbundenheit, Beziehung und Zugehörigkeit ("belonging") zu suchen, um einen gemeinsamen Austausch über Gemeinschaft ("community conversation") anzuregen. Ferner begann ich, mich auf die Suche nach dem Platz zu machen, den tiefere menschliche Verbundenheit und Zugehörigkeit in meinem Leben einnimmt.

Bücher von Joseph R. Myers zur Vertiefung: 

Quelle: www.languageofbelonging.com

Joseph R. Myers (USA) ist Unternehmer, Referent, Autor und Eigentümer von FrontPorch, einer Beratungsfirma, die christlichen Gemeinden, Unternehmen und anderen Organisationen hilft, Gemeinschaft unter Menschen zu fördern und entwickeln.

März 3, 2008 in Leitung, Methodik, Paradigmen | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Gemeinschaft ist nicht "programmierbar" (1)

Joseph R. Myers

Community

Können Gemeinschaftserfahrungen in christlichen Kreisen "erzeugt" werden? Mithilfe von geeigneten Programmen, Strategien und Kleingruppenmodellen? Joseph R. Myers – bekannt geworden durch seine beachtenswerten Bücher The Search to Belong und Organic Community – meint nein. Seine Überzeugung: Auf die Umgebung kommt es an. Begegnen sich Menschen in einer gesunden Umgebung, entwickeln sich tiefere Beziehungen und Verbundenheit ganz natürlich und spontan. Viele der gängigen Vorstellungen zur Förderung von Gemeinschaft hält er dagegen für Mythen. Nachdenkenswert!

Gemeinschaft ist ein komplexes Wesen. Eine funktionierende Gemeinschaft hängt von vielen Faktoren ab. Seitdem Familien und ihre Mitglieder immer seltener in räumlicher Nähe zueinander wohnen und Menschen in unserer Kultur immer mobiler werden, tun sich viele schwer mit Gemeinschaft. Viele lernen kaum noch die Fähigkeiten, die für eine gesunde Gemeinschaftserfahrung mit anderen Menschen notwendig sind.

Schulen, soziale Dienstleister, christliche Kirchen und Gemeinden sowie andere Organisationen unternehmen gemeinsame Anstrengungen, um Hilfe anzubieten. Doch es gibt auch einige weit verbreitete Mythen, die sich um die menschliche Suche nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft ranken. Mythen, die Verwirrung stiften. Denn sie sorgen dafür, dass die Definitionen, die wir gebrauchen, um unser Unterwegsein nach tieferer Beziehung und Verbundenheit mit anderen Menschen zu beschreiben, unklar und missverständlich werden.   

Mythos 1: Mehr Zeit = tiefere Verbundenheit

Der erste Mythos besagt: Je mehr Zeit in eine Beziehung investiert wird, desto authentischer und tiefer wird die Gemeinschaft mit einer anderen Person sein. Dieser Mythos ist weit verbreitet. Zeit hat aber in Wirklichkeit wenig mit der Fähigkeit einer Person zu tun, auf bedeutsame Weise Zugehörigkeit und tiefere Verbundenheit zu erfahren. Viele Menschen erzählen von erstmaligen oder gelegentlichen Begegnungen, aus denen spontan Erfahrungen eines tieferen Verbundenseins entsprungen sind. Es fallen dann Sätze wie "Ich bin dir zwar gerade erst begegnet. Dennoch kommt es mir so vor als ob ich dich schon ein Leben lang kenne." Kommen Ihnen diese Sätze bekannt vor?

Rosa erzählt folgende Begebenheit aus ihrer Gemeinde:

"Vor etwa einem Monat begann eine Frau namens Sandra, unsere Gemeinde zu besuchen. Sie hatte bisher keinerlei Erfahrungen mit christlichen Gemeinden gemacht. Bei einem einwöchigen Mexiko-Urlaub vor etwa vier Jahren hatte Sandra eine junge Frau beim Swimmingpool angesprochen. Wie sich in dem Gespräch herausstellte, befand sich die junge Frau in ihren Flitterwochen. Als sich schließlich der junge Ehemann auch zu ihnen gesellte, wollte sich Sandra höflich entschuldigen und zurückziehen. Doch das Paar führte das gemeinsame Gespräch mit ihr fort.

Immer wieder in ihrem Urlaub lief Sandra dem frisch vermählten über den Weg. Dabei erwähnten diese, dass sie eine Vineyard-Gemeinde in Kalifornien besuchten. Sandra betonte beim Erzählen, dass die beiden nicht versucht hätten, sie für ihre Gemeinde zu gewinnen. Ganz im Gegenteil: Das Thema wäre spontan in einem ihrer Gespräche aufgekommen. Kurz hätten die beiden Eheleute dabei erwähnt, dass sie Christen waren und eine Gemeinde besuchten. Sandra war beindruckt von der Freundlichkeit der beiden und der Art und Weise, wie sie miteinander umgingen. Für Sandra hatten sie etwas Anziehendes an sich. - Nach dem Mexiko-Urlaub und im Verlauf der vergangenen vier Jahre war Sandra dann immer wieder der Gedanke gekommen, eine Gemeinde zu besuchen. Schließlich begann sie, in einem Telefonbuch nach einer Vineyard-Gemeinde zu suchen (weil sie keine Ahnung hatte, wohin sie sonst gehen sollte) und so fand sie uns."

Eine kurze Begegnung am Swimmingpool, die Jahre später von großer Bedeutung war. Zugehörigkeit und tiefere Verbundenheit werden nicht vom Faktor Zeit bestimmt. Zeit allein hat keinen Einfluss darauf, ob zwei Menschen sich auf einer tieferen Ebene begegnen oder nicht.

Mythos 2: Mehr Verbindlichkeit = tiefere Verbundenheit

Oft glauben Menschen, dass Verbindlichkeit (commitment) und Gemeinschaft miteinander in Beziehung stehen. Dahinter steckt aber eine romantische Sichtweise. Wenn wir auf der Suche nach tieferer Verbundenheit sind, suchen wir nicht nach mehr Verbindlichkeit in unseren Beziehungen – wir wollen einfach nur auf einer tieferen Ebene mit einer anderen Person in Verbindung treten.   

Eine Beziehung, die sich auf Verbindlichkeit gründet, führt nicht automatisch zu einer tieferen Erfahrung der Zusammengehörigkeit. Ein verheiratetes Paar mag sich der gemeinsamen Ehebeziehung verpflichtet fühlen und dennoch den Schmerz verspüren, sich nicht wirklich nahe zu sein und zueinander zu gehören. Jeden Monat werde ich an meine finanziellen Verpflichtungen erinnert. Dennoch erfahre ich nie eine tiefere Verbundenheit aufgrund dieser Verpflichtungen, die ich eingegangen bin.

Wir brauchen bedeutsame Beziehungen, um gesunde Gemeinschaft zu erleben. "Bedeutsam" ist aber nicht dasselbe wie "eng" oder "verbindlich". Meine Frau Sara geht der alten Kunst des Teppichhäkelns nach. "Häkler" – wie sie sich selbst nennen – treffen sich über das ganze Land verteilt in kleinen Innungen, zu Wochenkursen und auf Konferenzen. Jeden Herbst besucht Sara eine Wochenendkonferenz im nördlichen Ohio. Diese Konferenz bedeutet ihr sehr viel. Denn sie findet dort praktische Unterstützung für die Ausübung ihres Kunsthandwerks. Sie begegnet Menschen, die die gleiche Leidenschaft wie sie haben. Meistens findet sie dort auch Ruhe und den nötigen Abstand zu ihrem Alltag.

Weder ihre Beziehung zur Konferenz noch ihre Beziehungen zu anderen Teilnehmern kann jedoch als "verbindlich" bezeichnet werden. Sara fühlt sich keineswegs dieser Konferenz verpflichtet. Jedes Jahr stellt sie sich erneut der Frage: "Will ich die Zeit und das Geld wirklich investieren? Oder sollte ich besser zuhause bleiben?" Obwohl sie die Konferenz mehrere Jahre hintereinander besucht hat, können die Veranstalter nicht mit ihrem Kommen rechnen. Worauf sie sich verlassen können, ist ihre Leidenschaft für dieses Kunsthandwerk und ihre Gewohnheit, über ihre Teilnahme erst im letzten Moment zu entscheiden.

Sara pflegt auch keine verbindliche Beziehung zu irgendeiner der teilnehmenden Personen. Erst jetzt hat sie damit begonnen, sich die Namen einiger Teilnehmer einzuprägen. Selten sucht sie den Kontakt außerhalb der Konferenz. Niemals hat sie bisher einen ihrer Bekannten von der Konferenz angerufen, um zu plaudern.

Diese Beziehungen können also keineswegs als "eng" oder "verbindlich" bezeichnet werden. Dennoch spielen sie eine wichtige Rolle in Saras Gemeinschaftserfahrung.

Mythos 3: Mehr Sinn = tiefere Verbundenheit

In den 1980er Jahren führte Tom Peters die "Search for Excellence"-Revolution innerhalb der Geschäftswelt an. Er und andere "verschrieben" angeschlagenen wie auch gesunden Organisationen "Statements", die die Vision, Mission und Zielsetzung der jeweiligen Organisation klären und auf den Punkt bringen. Gruppen wurden ins Leben gerufen, um Menschen bei ihrer Suche nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu helfen. Der erste Punkt auf der Tagesordnung galt der Formulierung einer Zielsetzung. Schließlich erfahren Menschen, wenn sie sich nach einem gemeinsamen Ziel ausstrecken, eine tiefe Verbundenheit. Richtig? 

Wir änderten sogar unsere Sprache. Mitarbeiter wurden nicht mehr gebeten, an Ausschuss-Sitzungen und Gremien teilzunehmen. Sie wurden nun als Teammitglieder verstanden, die zu Teamsitzungen eingeladen wurden. Diese einfachen Änderungen wurden vorgenommen, in der Hoffnung, die beteiligten Personen würden sich dadurch mehr miteinander verbunden fühlen.

Obwohl dieser neue Ansatz viel Gutes hervorbrachte, hat diese Strategie in Wirklichkeit sehr wenig mit Gemeinschaftserfahrung zu tun. Manchmal führt eine gemeinsame Leidenschaft oder ein gemeinsames Ziel dazu, dass Menschen enger zusammenrücken und sich tiefer miteinander verbunden fühlen. Aber nicht immer. Eine gemeinsame Vision oder ein gemeinsames Ziel garantieren noch lange nicht, dass es zu einer tieferen Verbundenheit zwischen den Beteiligten kommt.

Fortsetzung folgt ...

Bücher von Joseph R. Myers zur Vertiefung: 

Quelle: www.languageofbelonging.com

Joseph R. Myers (USA) ist Unternehmer, Referent, Autor und Eigentümer von FrontPorch, einer Beratungsfirma, die christlichen Gemeinden, Unternehmen und anderen Organisationen hilft, Gemeinschaft unter Menschen zu fördern und zu entwickeln.

Februar 20, 2008 in Leitung, Methodik, Paradigmen | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Gabentest ist nicht gleich Gabentest

Christoph Schalk

Gabentest_2Viel hat sich positiv verändert, seit Christian A. Schwarz 1988 die erste Auflage seines Gabentests herausbrachte: Damals hatte eine Umfrage ergeben, dass 80 Prozent aller Gemeindeglieder ihre geistlichen Gaben nicht kennen. Das ist heute – zum Glück – grundlegend anders, auch wenn das Thema nach wie vor eine große Relevanz besitzt. Das zeigt auch die Zahl der inzwischen erhältlichen Gabentests. Waren 1988 international etwa 20 verschiedene Testverfahren bekannt, bieten mittlerweile sehr viele Verbände, Organisationen und sogar Gemeinden ihre eigenen, oft selbstgestrickten Gabentests an. Was dabei oft übersehen wird: Die Ergebnisse dieser laienhaft entwickelten Tools sind meist falsch oder höchst ungenau. Das hat weit reichende Folgen für die Gemeindearbeit.

Gute Tests sind eine Frage der Ethik

Ich erinnere mich noch genau an eine Aussage meines Diagnostik-Professors, die er machte, als ich vor 15 Jahren – damals noch als Student der Psychologie – bei ihm eine Vorlesung über Testkonstruktion besuchte: "Ein guter Test ist eine Frage der Ethik." Gerade weil er kein Christ war, blieb dieser Satz bei mir hängen. Klarer Fall: Schlechte Tests führen zu falschen Ergebnissen und dann zu falschen Konsequenzen – sei es in der Therapie (psychiatrische Testverfahren), der Erziehung (Schul- und Leistungstests), der Personalauslese (Einstellungstests) oder eben auch in der Gemeinde (beispielsweise bei Gabentests oder Gemeindeanalysen).

Schlechte Tests führen dazu, dass Patienten wirkungslosen oder gar schädlichen Behandlungen unterzogen werden. Stellensuchende bekommen zu Unrecht keine Stelle – oder die falsche Stelle, der sie auf Dauer nicht gewachsen sind. Und in Gemeinden werden Christen aufgrund von ungenauen Gabentests der Gabenthematik gegenüber immunisiert ("Obwohl ich jetzt meine Gaben einsetze, bin ich immer noch unzufrieden mit meiner Aufgabe.") oder sind frustriert ("Jetzt muss ich auch noch in der Gemeinde Leistung bringen.") oder bleiben nicht lange in ihrer Aufgabe ("Irgendwie macht das doch keinen Spaß."). Neben fehlender Gabenberatung ist der Einsatz unwissenschaftlicher Gabentests einer der Hauptgründe, warum die "gabenorientierte Mitarbeiterschaft" in vielen Gemeinden trotz aller gut gemeinten Anstrengungen nach wie vor eine Illusion und von vielen Verletzungen und Frusterfahrungen begleitet ist.

Wegen dieser problematischen Konsequenzen aber und ihren Folgen ist es eine Frage von höchster ethischer Relevanz, ob ein Testverfahren sauber und nach wissenschaftlichen Kriterien entwickelt wurde oder nicht. Selbst wenn die Person, die einen Fragebogen ausfüllt, davon nichts merkt (weil kein Fachmann), ist es umso wichtiger, dass das zugrunde liegende Verfahren zuverlässig ist.

Warum man sich mit falschen Ergebnissen identifizieren kann

Es ist sehr verständlich, dass sich "das normale Gemeindeglied" nicht dafür interessiert, ob ein Test wissenschaftlich entwickelt wurde oder nicht (und vermutlich tun Sie das, lieber Leser, auch nicht wirklich). Für die meisten ist das sowieso höhere Mathematik oder schlicht und ergreifend Korinthenkackerei. Zumal sich die meisten Menschen ja mit ihrem Testergebnis identifizieren können – egal, welchen Test sie verwendet haben!

Zu diesem Phänomen gibt es eine mittlerweile schon legendäre Untersuchung: Eine Gruppe von Managern wurde gebeten, einen Persönlichkeitstest auszufüllen. Anschließend wurden die Fragebögen ausgewertet und die Ergebnisse gut gemischt. Jeder der Manager bekam ein beliebiges Ergebnis von einem anderen Gruppenmitglied zurück – mit der Erklärung, es würde sich um sein eigenes Ergebnis handeln. So gut wie alle konnten sich in den Ergebnissen wiederfinden!

Testergebnisse, insbesondere die von Persönlichkeitstests (und dazu gehört auch ein Gabentest), lassen immer einen gewissen Interpretationsspielraum. Die Begrifflichkeit der Ergebnisse ist oft mehrdeutig. Und wer kann schon genau sagen, wie stark er die Gabe des Lehrens im Vergleich zu anderen Christen hat oder nicht hat. Die Folge: Wir glauben dem Testergebnis bzw. dem Teil davon, den wir uns herauspicken. Dieser selektive Umgang mit einem Ergebnis sorgt zum einen dafür, dass wir die gröbsten Fehler des Tests selbst beseitigen. Und gleichzeitig führt er dazu, dass wir nicht merken, ob ein Test wirklich präzise und aussagekräftig ist.

Von Reliabilität, Validität und Normierung

Der Gabentest von Christian A. Schwarz (mittlerweile unter dem Titel "Die drei Farben deiner Gaben" weltweit in 20 Sprachen erschienen) ist leider der einzige Test, der das wichtige Gemeindethema "Gaben entdecken" auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt hat. Dabei sollte man meinen, dass eine ethisch relevante Frage gerade von Christen ernst genommen werden sollte. Die Realität sieht aber anders aus, selbst bei so "renommierten" Gabentests wie dem von Willow Creek.

Was nun macht den Test von Schwarz wissenschaftlich? Es geht hier vor allem um drei Kriterien:

1. Reliabilität - das ist die Frage nach der Genauigkeit des Tests: Wie präzise wird die Ausprägung der einzelnen Gaben gemessen? Psychologen überprüfen das mit Hilfe eines so genannten Reliabilitätskoeffizienten, der bei Persönlichkeitstests über 0,7 liegen muss. Beim Schwarz’schen Test liegt dieser Kennwert für die 30 geistlichen Gaben zwischen Werten von 0,7 und 0,95.

2. Validität - das ist die Frage, was hier eigentlich gemessen wird, also zum Beispiel wirklich die Gabe der Leitung oder einfach nur die allgemeine soziale Kompetenz desjenigen, der den Fragebogen ausfüllt. Mithilfe von Faktorenanalysen und Korrelationen zu externen Kriterien ließ sich beim Fragebogen nach Schwarz dieser Punkt für alle Gaben klären.

3. Normierung - hier geht es um die Frage, ob sich die Gaben wirklich auf ein und derselben Skala vergleichen lassen oder ob ein Test letztlich Äpfel mit Birnen vergleicht.

Normierung_3Dazu ein Beispiel: 30 Grad sind in Deutschland ein heißer Sommertag (wenn wir die Temperatur in Celsius messen), in den USA aber sind 30 Grad ziemlich frostig (weil in Fahrenheit gemessen). Beide Zahlen lassen sich nicht direkt vergleichen, sie müssen erst umgerechnet werden. Genauso gilt für einen Gabentest: Ein hoher Zahlenwert beispielsweise für die Gabe der Gastfreundschaft und ein niedriger Zahlenwert für die Gabe der Organisation heißt in einem nicht-normierten Test noch lange nicht, dass man auch tatsächlich besser Gäste bewirten als eine Veranstaltung organisieren kann. Erst eine Normierung der Ergebnisse (also eine Umrechnung auf vergleichbare Werte) erlaubt eine solche Aussage. Beim Test von Christian Schwarz erfordert das einen Auswertungsschritt mehr als bei anderen Tests – nämlich den Einsatz einer recht komplexen Tabelle, in der sich die Normwerte befinden.

Ich träume von Gemeinden, in denen die Mitarbeiter ihre Gaben kennen und bewusst und gerne einsetzen – und damit langfristig Frucht hervorbringen. Deshalb mache ich mich dafür stark, dass wir für die ethische Relevanz einer sauberen Diagnose sensibel werden. Beim Gabentest, bei Gemeindeprofilen und bei Umfragen jeder Art.

Christoph Schalk ist Diplom-Psychologe und als wissenschaftlicher Leiter im Institut für natürliche Gemeindeentwicklung International für den Bereich Forschung und Testkonstruktion zuständig. Außerdem arbeitet er weltweit als Coach und Coachtrainer und hat ein Handbuch für Gabenberater verfasst.

November 20, 2007 in Methodik | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)