Eine andere Art von Gespräch

Tom Clegg

Conversation

Was kommt gewöhnlichen Christen in den Sinn, wenn sie das Wort "Evangelisation" hören? Bei meinen gelegentlichen Umfragen fallen Begriffe wie ...

An-Türen-Klingeln, Traktate, Veranstaltungshallen, Rezepte, Fernsehen, Druck, aufdringlich, lästig und Furcht.

Was wäre jedoch, wenn es sich bei Evangelisation nur um eine andere Art von Gespräch handeln würde? Kein Verkaufsgespräch unter hohem Druck, sondern eine natürliche Unterhaltung, in der Christen hauptsächlich Fragen stellen, zuhören und zurückspiegeln, was sie hören? Hört sich das nicht ganz anders an? Könnte das nicht beiden – Christen und Nicht-Christen gleichermaßen – sogar Spaß machen?

Sie sind Pastor oder Pfarrer? Was wäre, wenn etwa 10% Ihrer Gemeindemitglieder in der Lage wäre, diese Art von Gespräch mit anderen aus ihrem Umfeld zu führen? Was für einen Unterschied würde das Ihrer Meinung nach machen?
 
Eine andere Art von Gespräch

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einer Ecke meiner Lieblingskneipe. Ich mag das Ambiente, den Service und die Ruhe, die ich hier oft finde. Manchmal kann ich hier studieren und schreiben, meistens komme ich aber wegen der Gespräche. Lebendige, geistreiche, meistens philosophische, gelegentlich aber auch persönliche Gespräche. Vor einiger Zeit stellte ein Freund mir einen coolen Typen namens Luis vor. Wir kamen ein paar Mal ins Gespräch miteinander. Eines Tages unterhielten wir uns in typischer Männermanier, als wir ein Ballspiel auf dem TV-Plasmabildschirm über unserem Tisch verfolgten. Wir unterhielten uns über alles Mögliche – Sport, Arbeit, Politik und das Leben allgemein. Dann begann er, mir – Stück für Stück – seine Geschichte zu erzählen. Nach einer Weile fragte ich:

„Sag‘ mal, Luis, wie gehst du mit der Sehnsucht nach Sinn in deinem Leben um?  

„Was meinst du?“, fragte er zurück.

„Du hast mir von den vielen schmerzhaften, ja traumatischen Dingen erzählt, die dir passiert sind, und von deiner Entscheidung, nicht länger an einen Gott zu glauben. Ich höre deinen Schmerz. Ich frage mich: Wie findest du Sinn in deinem Leben? Woran orientierst du dich? Woran klammerst du dich, um deinem Leben einen Sinn zu geben?“

Als wir uns über unterschiedliche Versuche der Sinnfindung im Leben unterhielten, meinte er plötzlich, dass er sein Leben nun noch sinnloser empfinde als vorher. Unser Gespräch begann, ihn niederzudrücken und zu belasten. Also standen wir auf und spielten eine Runde Billard. Nachdem er mich am Billardtisch total gedemütigt hatte, fragte er: „Wie kommt es, dass du diese Dinge über mich weißt?“

Ein Coaching-Ansatz

Das war der Beginn eines Gespräches, nicht eines Verkaufsgespräches, das dazu führte, dass Luis den Gott kennenlernte, der ihm das Leben geschenkt hatte. Wenn wir einfühlsam auf die Bedürfnisse anderer Menschen eingehen, können wir tatsächlich zu lebenspendenden Zeugen werden. Indem wir mit dem Heiligen Geist zusammenarbeiten, der Menschen wie Luis zu Gott zieht, können wir von Gott gebraucht werden – einfach dadurch, dass wir Verständnis zeigen. 

Bei diesem Ansatz sind Jesus-Nachfolger nicht diejenigen, die auf alles eine Antwort haben, sondern solche, die neugierig sind, die mit ihren Fragen das Gespräch in die Tiefe führen, die zuhören und sich auf die Antworten ihrer Gesprächspartner einlassen. Anstatt das Gespräch nach unseren Vorstellungen zu lenken, versuchen wir zu hören und wahrzunehmen, wie der Heilige Geist bereits im Leben des Gesprächspartners am Wirken ist. Die Gespräche, die sich daraus ergeben, sind natürlich und angenehm, nicht erzwungen und künstlich.   

Das mag alles leicht klingen, ist es aber nicht. Die meisten von uns lassen die Fähigkeit vermissen, gute Fragen zu stellen und gut zuzuhören. Anders ausgedrückt: Uns fehlen Coaching-Fähigkeiten – diese können jedoch erlernt werden.

Was ist Coaching? Gemeint ist der Prozess, der eine Person an die Seite einer anderen führt, um dieser zu helfen, auf den Heiligen Geist zu hören. Der Geist lenkt den Prozess – nicht wir. Und das fällt den meisten von uns schwer. Coaching baut auf Qualitäten wie Geduld und Neugier, Offenheit und Vertrauen. Wir hören zu, stellen Fragen und spiegeln zurück, was wir hören.

Im Gegensatz zur Beratung  – wobei Informationen weitergegeben oder Agenden verfolgt werden – holt Coaching das heraus, was in Menschen steckt und führt sie in einen Entdeckungsprozess. Coaching ist deshalb ein hilfreiches Mittel in der Hand von Jesus-Nachfolgern, die sinnvolle und hilfreiche Gespräche mit (Noch-)Nicht-Christen suchen. Solches Coaching sieht in dem Gesprächspartner – was die Heilsfrage anbelangt – nicht den In- oder Outsider. Vielmehr konzentriert es sich darauf, wo sich die einzelne Person gerade auf ihrer geistlichen Reise befindet und versucht, diese darin zu fördern und zu unterstützen.

Lassen wir uns so auf Menschen ein, befreit uns das von dem Druck, Experten sein zu müssen. Und die anderen werden erlöst von einem Druck ausübenden Experten! Wir „lesen“ den Kontext, in dem sich eine Person befindet, lassen sie aber das Gespräch führen. Nicht jede Person befindet sich an der gleichen Stelle auf ihrer geistlichen Reise – und nicht jede Person erfährt Gott auf dieselbe Art und Weise. Nehmen wir eine Coaching-Haltung ein, bestehen wir nicht darauf, dass andere sich auf die gleiche Weise Gott nähern wie wir es getan haben. Ihre Reise kann ganz anders aussehen als unsere. Wir müssen andere dort treffen, wo sie tatsächlich stehen. Das gilt im übertragenen wie auch im wörtlichen Sinn.

Partys auf Jesus-Art

Jesus begegnete den Menschen dort, wo sie waren. Er erwartete von ihnen nicht, dass sie sich mit ihm im Tempel trafen. Er verkehrte mit Sündern, Zöllnern und Prostituierten auf deren Terrain. Und er suchte das Gespräch mit ihnen an Punkten, wo sie sich wohl fühlten. Das schien ihm sogar Spaß zu machen.

„Als er weiterging, sah er einen Zolleinnehmer in seinem Zollhaus sitzen. Es war Levi, der Sohn von Alphäus. Jesus sagte zu ihm: ‚Geh mit mir!‘ Und Levi stand auf und folgte ihm. Später war Jesus bei Levi zu Gast. Viele Zolleinnehmer und andere, die einen ebenso schlechten Ruf hatten, nahmen mit Jesus und seinen Jüngern an der Mahlzeit teil. Sie alle hatten sich Jesus angeschlossen. Ein paar Gesetzeslehrer von der Partei der Pharisäer sahen, wie Jesus mit diesen Leuten zusammen aß. Sie fragten seine Jünger: ‚Wie kann er sich mit Zolleinnehmern und ähnlichem Gesindel an einen Tisch setzen?‘“ (Markusevangelium 2,14-16 GN).

Levi veranstaltete eine Dinner-Party und lud dazu seine Zöllner-Freunde und einige andere Sünder ein, um ihnen Jesus vorzustellen. Stellen Sie sich dieses Treffen einmal vor: Levi, Jesus, Zolleinnehmer, die Jünger Jesu und Sünder. Jesus machte aus dieser Art von Treffen eine Gewohnheit. Wie es scheint, unterhielt er sich unterwegs regelmäßig mit Menschen. Erinnern Sie sich an seine Begegnungen mit dem reichen jungen Mann Nikodemus und der Frau am Brunnen? Er hielt immer Ausschau nach Momenten, in denen der Heilige Geist am Wirken war.

Wenn wir in die Welt anderer Menschen eintauchen – statt zu erwarten, dass diese sich in unsere Welt vorwagen – dann können wir erleben, wie ganze Netzwerke von Menschen, die transformative Kraft des Evangeliums erleben. Oft gibt es eine Person, die dem Evangelium gegenüber aufgeschlossen ist – ein Levi –, der mit einem größeren Netzwerk von Menschen verbunden ist. Dabei handelt es sich nicht so sehr um einen individuellen Prozess. Es geht vielmehr um Beziehungen und Verbindungen, deren Wirkkraft dadurch zunimmt, dass Menschen die Freiheit haben, das Evangelium in ihrem eigenen Umfeld, innerhalb ihrer eigenen natürlichen Gemeinschaft, kennenzulernen.

Wenn wir den jeweiligen Kontext kennen, weil wir Teil dessen sind, wissen wir auch, welche Art von Fragen angemessen sind. Wir verstehen, wo die Menschen sich auf ihrer Reise befinden und was ihnen wichtig ist. Wir befragen Menschen über sich selbst, ihre Hobbys, Erfahrungen, Träume, Hoffnungen und Ängste, ihre Enttäuschungen und Erfolge. Wir stellen interessante und Interesse weckende Fragen wie zum Beispiel …

Inwiefern war diese Erfahrung für Sie wertvoll?

Was haben Sie aus dieser Erfahrung gelernt?

Wenn Sie diese Erfahrung noch einmal machten, was würden Sie dann anders machen? Und was würden Sie genauso wieder tun?

Warum sind Erfahrungen so viel wertvoller als Besitz? Was denken Sie?

Das hat Sie offensichtlich tief berührt. Warum hatte es eine solch starke Wirkung auf Sie?

Wie hat sich ihr Leben seither verändert?

Was mögen Sie an sich selbst?

Wann waren Sie am glücklichsten in Ihrem Leben?

Wenn wir drei Ihrer engsten Freunde nach den lustigsten Geschichten über Sie fragten, was würden diese erzählen?

Was wollten Sie später mal werden, als Sie jung waren?

Was möchten Sie immer noch sein oder werden?

Gefällt Ihnen, was aus Ihnen geworden ist?

Glauben Sie, dass Menschen sich ehrlich ändern können? Warum?

Was macht eine Person zu einem guten Menschen?

Was macht eine Person vertrauenswürdig?

Vertrauen Sie Menschen normalerweise oder misstrauen Sie ihnen? Warum ist das so?

Was gibt Menschen Hoffnung? Was passiert mit Menschen, wenn sie die Hoffnung verlieren?

Schauen Sie im Allgemeinen nach vorne oder fürchten Sie sich vor dem Morgen? Warum?

Was glauben Sie, wo die meisten Menschen Sinn für ihr Leben finden?

Wie möchten Sie bei anderen in Erinnerung bleiben?

Welche Person, die Sie kennen, hat aus dieser Welt eine bessere gemacht? Warum gerade diese Person?

Wie tragen Sie dazu bei, dass diese Welt eine bessere wird?

Fragen wie diese stellen Sie natürlich nicht alle auf einmal. Sie stellen sie auch nicht Menschen, zu denen Sie keine Beziehung haben. Kennen wir allerdings Menschen etwas näher, schätzen diese oft unser persönliches Interesse  und unsere engagierten Fragen. Die meisten Menschen wünschen sich tiefere Gespräche – sie wissen nur nicht, wie sie zu diesen kommen.

Wir können in der Tat einen anderen Zugang zur Evangelisation finden, wenn wir auf den Geist Gottes hören, gute Fragen stellen und gut zuhören. Einen Zugang, der nicht aggressiv ist, gleichzeitig aber kulturell relevant und – noch wichtiger – willkommen ist. Stellen Sie sich einmal vor, welchen Unterschied das in Ihrer Gemeinde machen würde, in Ihren Gesprächen und an Ihrem Wohnort.

Dr. Tom Clegg ist der Leiter von CoachNet North America. Er initiiert leidenschaftlich gerne innovative Strategien zur raschen Entwicklung von missionalen Bewegungen. Er lebt in Iowa (USA) mit seiner Frau Jodi und ihren gemeinsamen Töchtern.

Dezember 11, 2009 in Coaching, Gemeindegründung | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Coaching & Inspiration auf Twitter

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Sie haben schon persönlich von Coaching profitiert. Sie schätzen gute Fragen. Kleine, aber regelmäßige Impulse – mitten im Alltag. Impulse, die Sie persönlich voran bringen. Dann schauen Sie doch vorbei auf http://twitter.com/intercoach.

Christoph Schalk, langjähriger Coach und Diplom-Psychologe, "zwitschert" Ihnen regelmäßig eine Coaching-Frage oder einen inspirierenden Impuls - damit Sie dran bleiben und sich weiterentwickeln.

Den Twitter-Einträgen können Sie im Browser folgen, aber auch in vielen E-Mail-Programmen per RSS-Feed abonnieren oder in der Vista-/Google-Seitenleiste per Gadget anzeigen. Und natürlich auf dem Handy. Mehr dazu unter twitter.com.

Juli 31, 2009 in > Aktuell: Seminare und Angebote <, Coaching, Gemeinde-Innovation, Gemeindegründung, Leitung, Methodik, Natürliche Gemeindeentwicklung , News, OQM, Paradigmen | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Coaching in der Gemeindegründung

Wie kann ein Gemeindegründer seine Mitarbeiter fördern und ins Spiel bringen? Christoph Schalk erklärt, wie lösungsorientiertes Coaching dabei helfen kann.

Die Fragen und Werkzeuge des lösungsorientierten Coachings sind:

Zielfrage
Häufig ist der Einstieg in ein Gespräch ein Problem, das jemand wahrnimmt. Was nervt und frustet, wird beschrieben. Der Coach nimmt diesen Einstieg, um die Energie in Richtung des Ziels umzulenken: „Was hättest du gerne statt des Problems?“ oder „Was wünscht du dir in Bezug auf dieses Thema? Was sollte anders sein, wenn unsere Gespräche hier optimal laufen?“ Diese Bewegung weg von Problemen und hin zu Wunschzuständen ist die erste Grundlage im Coaching und richtet den Blick in eine vielversprechende Richtung.

Skalenfrage
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit stehen häufig viele Schritte und es ist nicht immer klar, wie der Weg dorthin aussehen könnte. Aufgabe des Coachs ist, die Ressourcen in dieser Situation erkennbar zu machen und die Bewegung in Richtung Ziel mit kleinen Schritten zu starten.

Die Skalenfrage hilft dabei: „Auf einer Skala von 0 bis 10 – wobei 0 den am schlimmsten möglichen Zustand darstellt und 10 das Ziel deiner Träume – wo stehst du im Moment auf dieser Skala?“ Nach einer Selbsteinschätzung kann der Coach Ressourcen aufdecken: „Okay, du stehst bei 4. Das ist besser als 1 oder 2. Was machst du bereits, das dich auf eine 4 bringt?“ Außerdem kann der Coach die nächsten Schritte konkretisieren: „Was würdest du bei 5 anders machen als im Moment?“ Dadurch erkennt die Person klarer, was sie beitragen kann, um sich Richtung Ziel zu entwickeln. Häufig sind es diese beiden Faktoren, die das Coaching effektiv werden lassen: das Erkennen von Ressourcen und das Bewegen in die richtige Richtung.

Ressourcenfrage
Da Coaching Hilfe zur Selbsthilfe ist, ist der Coach daran interessiert, die Ressourcen aufzudecken, die die Person nutzen kann. Das können innere Ressourcen sein (Selbstvertrauen, Wissen, Erfahrung, Kreativität usw.), äußere Ressourcen (wie Beziehungen, Bücher, Geld, Zeit usw.) oder benötigte Ressourcen. Dabei stellt der Coach die Frage: „Welche Ressourcen benutzt du schon in der Situation? Welche Ressourcen könnten dir noch zur Verfügung stehen?“ Es ist hilfreich, wenn der Coach immer wieder nachfragt und bei etwas Unsicherheit ein Brainstorming vorschlägt, das er zusammen mit der Person durchführen kann.

Wunderfrage
Manchmal ist eine Person so in ihrer Situation gefangen, dass sie nicht sehen kann, was sie will oder was möglich ist. Die sogenannte „Wunderfrage“ hilft dabei, diese Limitationen zu überwinden, indem sie fragt: „Ich möchte dir jetzt eine ungewöhnliche Frage stellen. Stell‘ dir vor, du gehst nach Hause und legst dich wie immer zu Bett. Während du schläfst, geschieht ein Wunder. Das Wunder besteht darin, dass das Problem, das dich hierher geführt hat, gelöst ist. Allerdings weißt du nicht, dass das Wunder geschehen ist, weil du ja schläfst. Wenn du also morgen früh aufwachst, woran erkennst du, dass das Wunder tatsächlich geschehen und das Problem, das dich hierher geführt hat, gelöst ist?” Wenn die Person die „Zeichen des Wunders“ für sich beschreiben kann, kann der Coach mit weiteren Fragen arbeiten und den Weg zum Wunder konkretisieren.

Zirkuläre Frage
Ähnlich wie die Wunderfrage hilft die zirkuläre Frage dabei, den Blick aus der eigenen Situation heraus zu weiten und neue Perspektiven zu gewinnen. Zirkulär heißt die Frage, weil sie die Person dazu bringt, aus der eigenen Haut herauszuschlüpfen und aus einer anderen Perspektive auf den eigenen Lebenskreis (Zirkel) zu schauen. Die Frage könnte lauten: „Was würdest du dir selbst in dieser Situation raten, wenn du dein eigener Mentor wärst?“ oder „Woran würde dein bester Freund erkennen, dass du dich Richtung Lösung entwickelst?“ oder „Was würde Gott dir in dieser Situation raten?“

Coaching kann wunderbar funktionieren und Situationen nachhaltig zum Besseren verändern. Sicherlich braucht es dazu etwas Übung. Diese kurze Beschreibung kann nur ein Ansatz sein. Ein wichtiger Schlüssel für die Praxis ist: Tue das, was funktioniert - und tue mehr davon. Mehr von dem zu multiplizieren, was Frucht bringt, ist ein weiser und hilfreicher Ansatz - auch in der Gemeindegründung.

Juli 10, 2009 in Coaching, Gemeindegründung, Leitung, Methodik | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (1)

Probleme in Ziele umwandeln

Gute Leiter investieren in Potentiale, nicht in Probleme. Sie konzentrieren sich darauf, das Reservoir an Möglichkeiten zu entdecken und anzuzapfen. Christoph Schalk erklärt den Ansatz des Lösungsorientierten Coachings.

April 20, 2009 in Coaching, Gemeindegründung, Leitung | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Leidenschaft für Jesus – Vollmacht in der Leitung

LeiterkonferenzSo das Motto der 10. Vineyard-Leiterkonferenz, die vom 7.-10. Januar 2009 in Berlin stattfand. Mehr als 450 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erlebten in der deutschen Hauptstadt Tage der Inspiration, Ermutigung und Stärkung. Im Mittelpunkt standen wieder authentische und wegweisende Impulse zu  Fragen der Nachfolge Jesu im Zusammenhang mit Führungsaufgaben in der Gemeinde. 

Programm & Referenten

Persönlicher Rückblick eines Teilnehmers

Podcasts zum "Nachhören" und Vertiefen

Januar 11, 2009 in Gemeindegründung, Leitung, Podcast | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Warum überhaupt neue Gemeinden gründen?

Eine Frage, die immer wieder gestellt wird – und berechtigt ist. Gemeindegründung ist kein Allheilmittel. Sie macht nur dann Sinn, wenn sie Menschen zu einem jesusmäßigen Leben inspirieren will. Einige Impulse für "sinnvolle" Gemeindegründung von Christoph Schalk im folgenden Video-Clip.

Oktober 10, 2008 in Gemeindegründung | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

novavox-Konferenz mit Floyd McClung

Logo_3Floyd McClung wird im November 2008 zur ersten novavox-Konferenz nach Deutschland kommen. Das Thema: Ein missionales Leben - Wie Evangelisation, Diakonie und eine enge Gottesbeziehung in einem ganzheitlichen Lebensstil zusammenfinden können.

ACHTUNG: Frübucherfrist endet heute !!!

Diese "missional" genannte Art christlichen Glauben und Gemeinde zu leben, soll auf der Konferenz -- zusammen mit deutschen Praktikern -- grundsätzlich aber auch sehr praktisch und konkret reflektiert werden.

Datum: 6. - 8. November 2008

Konferenzort: Wuppertal

Flyer zum Download (PDF, 190 KB)

Weitere Info und Anmeldung: www.novavox.org

n o v a v o x versteht sich als ein offenes Netzwerk für Gemeindeinnovation und will missionalen Gedanken und Praktiken in Deutschland eine Stimme geben.

Juli 31, 2008 in forum gemeinde innovation (fgi), Gemeinde-Innovation, Gemeindegründung, News, Paradigmen, Werbung | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Wie können wir Gemeinden besser gründen?

Marlin Watling

Gemeindegrnder_2Im Rahmen des European Church Planting Network (ECPN) ist eine Taskforce der deutschsprachigen Vineyard-Bewegung dieser Frage nachgegangen und hat eine Reihe von Interviews ausgewertet.

Mit einem kleinen Team haben wir 40 Interviews mit Gemeindegründern und Experten durchgeführt. Wir wollten die Faktoren verstehen, die eine Gemeindegründung in der Praxis erfolgreich machen. In Tiefeninterviews haben wir gefragt, …

  • welche Phasen die entsprechende Gemeinde durchlaufen hat,
  • welche Kompetenzen die Gründer mitgebracht haben,
  • welche Krisen aufgetreten sind und
  • welche Ressourcen im Prozess nützlich waren.

Dabei haben wir neben erfolgreichen und aktuellen Gründern auch weniger erfolgreiche und potentielle Gründer befragt, wie auch Experten aus Deutschland, England und den U.S.A. Wir wollten keine wissenschaftliche Aussage machen oder Kompetenzen definieren, sondern die wesentlichen Punkte verstehen, die wir in unserer Gemeindegründungspraxis stärken müssen.

Der Prozess
Für jedes Interview lag uns eine Zusammenfassung (3 Seiten) vor, die wir dann in unserem Team verlesen haben. Jeder einzelne Punkt wurde stichwortartig auf Post-It Haftnotizen festgehalten und dann an eine Wand geklebt. Dieser Prozess hat uns als Team ein tiefes Verständnis für die Höhen und Tiefen der Gründer gegeben und viele Daten generiert.

Nach zwei Tagen gingen mit den Post-It Notizen in die Konsolidierung und formten Cluster um die Fragen: Was fördert Gemeindegründung? Was hindert sie? Außerdem sammelten wir die Entdeckungen, die uns überraschten. Anschließend priorisierten wir diese Cluster nach ihrem Potential, uns als Vineyard-Bewegung in der Gründung von Gemeinden zu stärken.

Nach dieser Übung verwendeten wir einen weiteren Tag damit, Ideen für die Stärkung in den einzelnen Bereichen zu generieren, diese zu priorisieren und in Pläne zu verwandeln.

Die wesentlichen Punkte: Außenwirkung, Begleitung und Klarheit
Auf dem Hintergrund unserer Priorisierung der einzelnen Punkte wurde eines deutlich: Gemeindegründer sind am stärksten in Sachen Außenwirkung, Begleitung und Klarheit gefordert. Die Wirkung nach außen wird von den meisten Gründern dramatisch unterschätzt. Erstaunlich war, dass nur wenige Gründer die Evangelisation und das Sammeln von Menschen als kritische Faktoren sahen, während fast alle Experten diese Punkte ausführlich betonten. "Wenn du keine Leute sammelst, dann hast du keine Gemeinde. So einfach ist das. Es gibt zu viele Leute, die keine Historie haben, Menschen zu sammeln. Sie unterschätzen das einfach, wie viel man dort investieren muss", meinte ein Experte. Ein anderer äußerte: "Bei all den Gründungen, die ich begleite, gibt es KEINE, die im Bereich von Evangelisation genug tut. Zwei Drittel der Gründungsprojekte haben hier ein kritisches Problem."

Gründung ist immer auch ein unsicheres Unterfangen, und nicht jede Gründung ist erfolgreich. Krisen und emotionale Herausforderungen kommen auf die Gründer zu – und diese kommen oft unverhofft. Ein wesentlicher Faktor im Durchhalten von Gründern war die Begleitung, die sie erfahren haben. Egal ob durch Coaching oder Freundschaften: Die Begleitung an sich war wichtig, um Kurs zu halten und emotionale Ressourcen aufzubauen. "Die Einsamkeit ist manchmal schrecklich", sagte ein Interview-Partner. "Manchmal gibt es Durststrecken. Dann muss der Gründer einen langen Atem haben. Gründer fühlen sich auch schnell allein gelassen. Wenn dann jemand da ist, dann hilft das. Die fachliche Begleitung scheint dabei, nicht so wichtig zu sein. Wesentlicher ist die emotionale Unterstützung und die Motivation."

"Gründer brauchen Profil und dürfen nicht nur nett zu Leuten sein. Wenn du Leute nur umsorgst, dann verlierst du das Ziel aus den Augen und kommst vom Kurs ab. Du brauchst eine Mischung, denn ohne Klarheit kommst du nicht weit", formulierte ein erfolgreicher Gründer. Sowohl die Klarheit in der Ausrichtung der Gründung wie auch die Kommunikation wurden immer wieder erwähnt: "Es muss eine klare Antwort auf die Frage geben: Warum machen wir das hier?" Das deutet zum einen auf ein klares inhaltliches Verständnis von Auftrag und Fokus hin. Andererseits betonten viele auch die Klarheit im Selbstverständnis und im Einsatz der Stärken: "Wir sollten alle mit unseren Stärken leben, und nicht mit unseren Schwächen. Nutze diese Stärken, um deine Leidenschaft für Jesus auszudrücken. Lebe mit 200 km/h. Sei keine schlechte Kopie von jemand anderem. Gaben zeigen sich, um ein Leben des Risikos zu unterstützen. Die größten Krisen haben mit fehlender Klarheit zu tun: Wer bin ich? Zu was bin ich berufen? Wie kann ich das ausleben? Wenn du superklar darin bist, dann lebe deine Leidenschaft und Menschen werden mit dir kommen."

Die Überraschungen: Berufung, Ausbildung und Gebet
Neben den Prioritäten für unsere Fragen rückten auch einige Faktoren in den Hintergrund, die uns überraschten. Wir haben dazu keine Meinung formuliert, da eine Erklärung aller Einzelheiten nicht unser Ziel war. Daher lassen wir die Fragen offen, die sich aus diesen Überraschungen ergeben, wollen sie aber dennoch berichten.

Zunächst fiel uns auf, dass das Thema Berufung und Gottes Reden vermehrt bei denen auftrat, die Schwierigkeiten in der Gründung erlebten. Bei den Experten kam dieser Punkt nie als Priorität. Auch bei den klar erfolgreichen Gründern wurde er kaum erwähnt. Es mag sein, dass eine Berufung jeweils vorhanden war und einfach nicht erwähnt wurde; oder aber, dass eine Berufung in schwierigen Zeiten eher als wichtige Ressource erkannt wird. Dennoch hatten wir diese "Befehl-von-Oben-Komponente" stärker erwartet.

Außerdem fiel uns eine Null-Korrelation bei theologischer Ausbildung auf. Einige erwähnten diese als hilfreiche Ressource. Ausschlaggebend für Erfolg oder Nicht-Erfolg war sie jedoch nicht. Personen ohne theologische Ausbildung waren genauso erfolgreich oder nicht. Experten sahen in der theologischen Ausbildung ebenfalls kein wesentliches Kriterium. Hilfreiche Ressourcen für Gründer im Sinn von Konzepten wurden vorwiegend durch Vorbilder (inspirierende Personen und Gemeinden) und in Beziehungen vermittelt. Bücher und Seminare kamen ergänzend hinzu.

Zuletzt überraschte uns das Fehlen der Gebetsdimension im Gründen. Es mag sein, dass diese  als Selbstverständlichkeit angesehen wurde oder unsere Fragen in eine andere Richtung drängten. Jedenfalls wurde das Gebet bei der Gründung kaum erwähnt: "Gemeindegründung ist kein Gebetskreis. Ich bin da nicht auf der Suche nach Leuten, die alles geistlich sehen. Ich schaue mehr nach initiativen Typen: Leute, die was sagen und das dann auch tun; Leute, die mehrere Dinge gleichzeitig tun können; Leute, die eine gewisse Aggressivität in den Augen haben, Netzwerke bauen und nicht zu sehr Seelsorger sind." Einige Gründer erwähnten im Zusammenhang mit der Einsamkeit und dem geistlichen Kampf, dass sie um Menschen wussten, die für sie beteten. Solche Aussagen waren jedoch eher vereinzelt und daher wenig betont.

Einige Eindrücke und weitere Erkenntnisse sind auf meinem Blog zu finden:

Wie können wir besser gründen?

Einfach gründen

Marlin Watling leitet die Vineyard Heidelberg

Juli 1, 2008 in Gemeindegründung | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Trainingsansätze für Gemeindegründer

Thomas Fode

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Wie potenzielle Gemeindegründer quer durch Europa auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Ein "concept paper" des European Church Planting Network (ECPN) gibt dazu einen guten Überblick. Anglikanische, freikirchliche und lutherische Ansätze aus England, Skandinavien und dem deutschsprachigen Europa werden übersichtlich auf wenigen Seiten vorgestellt.

Wie werden Männer und Frauen quer durch Europa für die wichtige Aufgabe der Gemeindegründung vorbereitet? Welche Qualtäten brauchen potenzielle Gemeindegründer? Und welche Herausforderungen gilt es im Trainingsprozess zu meistern?

Unterschiedliche Gemeinden und Gemeindegründungsbewegungen, die sich an den so genannten "Learning Communities" des European Church Planting Network (ECPN) beteiligen, wurden dazu befragt. Das Ergebnis brachte eine überraschende Bandbreite an Trainingsansätzen zutage – von Trainingsmodulen über akkreditierte Ausbildungen bis hin zu informellen "Huddles" (Rudel). Allen Trainingsansätzen gemeinsam ist ein starkes praktisches Element. Neben der individuellen Begabung, die eine wichtige Qualität des Gemeindegründers darstellt, werden auch Berufung, Charakter und Vision des Gründers für wichtig erachtet.

Im Blick auf die Herausforderungen gilt: Potenzielle Gemeindegründer brauchen

  • Raum zum Ausprobieren,

  • die Fähigkeit zur Weitervermittlung der DNA und

  • die Erlaubnis, Risiken einzugehen und Fehler zu machen.

Der vollständige Artikel (auf Englisch!) steht hier zum Download bereit:

"Preparing to plant: calling, equipping and enabling church planters in Europe" (PDF, 805 KB, 19 Seiten)

Das European Church Planting Network (ECPN) führt verschiedene Gemeindegründungsbewegungen und Initiativen aus West- und Osteuropa für zwei Jahre in so genannten "Learning Communities" zusammen. Das Ziel: die Förderung missionaler Gemeindegründung in Europa. Mehr als ein Drittel der teilnehmenden Bewegungen stammen aus traditionellen evangelischen und lutherischen Landeskirchen (z.B. aus Württemberg, Norwegen und Finnland).

Juni 10, 2008 in Gemeindegründung | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)

Mentoren gesucht!

Neil Cole

Strategie_2Die Missionsstrategie des Paulus als Modell für die Multiplikation von Mentoren.

Jesus wusste, was fehlte, um eine große Ernte reifer Seelen einzubringen: "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter" (Mt 9,37). Auch heute braucht die Kirche einen Weg, um Arbeiter für eine größere Ernte zu multiplizieren. Durch Multiplikation der Arbeiter kann sowohl die Reichweite als auch die Intensität der Ernte gesteigert werden. Man redet heute viel von Mentoren. Es ist in der Tat wichtig, Leiter durch Mentoring-Beziehungen zu unterstützen. Aber noch wichtiger ist es, Mentoren zu multiplizieren.

Als ein biblisches Beispiel für die Multiplikation von Mentoren beschäftigt sich dieser Artikel mit dem Apostel Paulus.

Zweite Missionsreise  (Apg 15,36 – 18,22)

Auf seiner zweiten Missionsreise zwang Gott Paulus dazu, seine Strategie zu ändern und eine multiplikative Gemeindegründungsstrategie zu verfolgen. So schickte er ihn in eine der dunkelsten Städte der damaligen Zeit: nach Korinth. Auf der Reise dorthin reduzierte Gott das Missionsteam des Paulus (zunächst bestehend aus Paulus, Silas, Timotheus und Lukas) schrittweise, bis Paulus schließlich "alleine" in Korinth zurückblieb.

Gott zeigte Paulus auf eindrückliche Weise, dass es ihm nie gelingen würde, ein Team aufzubauen, das groß genug sein würde, um in jeder Stadt, in die er kam, jemanden zurücklassen zu können. Paulus merkte, dass der Produktionsbedarf die Produktionskapazitäten bei weitem überstieg. Sein Team war ausgerechnet dann völlig dezimiert, als er in der dunkelsten aller Städte ankam. Der Bedarf, das Evangelium zu verkünden, war weit größer, als sein Einfluss als Leiter reichte.

Gott wollte Paulus eine Lektion beibringen. Er erschien ihm in einer Vision, um ihn zu ermutigen, aber er instruierte ihn auch: "Bleib in der Stadt, mache Menschen zu Nachfolgern Jesu, die du in die ganze Welt schicken kannst. Du bist nicht alleine, ich bin mit dir, und hier gibt es viele Menschen, die dich bei deinen Bemühungen unterstützen werden." Lukas beschreibt es folgendermaßen: "Der Herr aber sagte nachts in einer Vision zu Paulus: Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir, niemand wird dir etwas antun. Viel Volk nämlich gehört mir in dieser Stadt. So blieb Paulus ein Jahr und sechs Monate und lehrte bei ihnen das Wort Gottes" (Apg 18,9-11).

Dies markierte eine einschneidende Wende in der Methode des Apostels. Gott forderte Paulus im Prinzip dazu auf, ein Team direkt aus der Ernte heraus zu bilden. Hier in Korinth lernte Paulus die Strategie, Gemeindegründer aus einer einzigen Gemeindearbeit heraus zu multiplizieren. Mitarbeiter, die er dann aussenden konnte, um Menschen zu Nachfolgern Jesu zu machen und neue Gemeinden zu gründen. Bald nach dieser Vision gewann Paulus Aquila und Priscilla für Jesus und wurde ihr Mentor. Diese beiden wurden später von Gott gebraucht, und zwar nicht nur in Korinth, sondern auch in Syrien, Rom und Ephesus. Anstatt nur eine Gemeinde zu gründen, multiplizierte Paulus sich selbst in einem Missionsteam, das überall im römischen Reich Gemeinden aufbauen konnte, genauso wie er es einst getan hatte. Paulus stellte fest, dass er das Evangelium doppelt so weit und doppelt so schnell verbreiten konnte, wenn er seine Energie darauf konzentrierte, sich als Leiter zu reproduzieren.

Der Plan ging auf. Die Produktionskapazität weitete sich aus, und die Produktion von Nachfolgern Jesu und Gemeinden nahm exponential zu. Paulus begann mit Priscilla und Aquila. Diese beiden zogen los und machten es genauso wie er. Auf diese Weise multiplizierten sie die Bemühungen des Paulus. Apollos, ein Nachfolger Jesu der dritten Generation, wiederum multiplizierte deren Bemühungen um ein Vielfaches. Paulus hatte eine strategische Lektion von seinem Lehrer gelernt, die eine entscheidende Rolle in seinen weiteren Missionsreisen spielen sollte.

Dritte Missionsreise (Apg 18,23 – 21,16)

Nachdem Paulus diese wertvolle Lektion gelernt hatte, investierte er sich auf seiner nächsten Reise ausschließlich in die Aufgabe, Mentor und Multiplikator für Leiter zu sein, die er aus der Ernte heraus ausbildete und als Arbeiter in die Ernte schicken konnte. Für diese Reise brauchte er nur ein Ein-Mann-Team – Paulus, den sich multiplizierenden Mentor. Paulus setzte innerhalb von drei Jahren eine regionale Gemeindegründungsstrategie von Ephesus aus um, durch die er ganz Kleinasien mittels Multiplikation erreichte (Apg 19,8; 20,31).

Seine Missionsreise führte ihn nicht in alle Städte Kleinasiens. Stattdessen blieb er in Ephesus, bildete Männer aus und schickte sie los, um ganz Kleinasien mit dem Wort Gottes zu erreichen. Ephesus wurde zur Muttergemeinde aller Gemeinen in Kleinasien. Später schrieb Paulus Briefe an Gemeinden, die er nie selbst gesehen hatte (Kol 2,1).

In Apostelgeschichte 19 und 20 finden wir sieben Schlüsselstrategien, die Paulus verfolgte, als er von Ephesus aus eine Bewegung steuerte, die das Evangelium über den ganzen Kontinent verbreiten sollten:

1. Paulus eröffnete eine lokale Basis für die Ausbildung von Gemeindegründern (Apg 19,9; 20,18).

2. Paulus setzte durch sein Vorbild sowohl in großen Versammlungen als auch im kleineren Rahmen eine Lehr- und Mentoring-Strategie um (Apg 20,19-20).

3. Paulus integrierte Evangelisation in die geistliche Ausbildung seiner Nachfolger ein als Grundlage für die Zurüstung von Leitern für den Dienst (Apg 20,21).

4. Paulus setzte die Macht des Wortes Gottes im Leben von Menschen frei, um die Multiplikationsbewegung von der Basis her zu stützen (Apg 19,20).

5. Paulus gab dem Heiligen Geist den ihm zustehenden Raum, um Nachfolger in den Dienst zu führen (Apg 20,28).

6. Paulus investierte sich in persönliche Mentoring-Beziehungen (Apg 20,31).

7. Paulus unterstellte seine Leiter der direkten Verantwortlichkeit gegenüber Gott. So war seine Anwesenheit nicht für die Fortführung seines Dienstes notwendig (Apg 20,32).

Wenn man eine Fotokopie von einer anderen Fotokopie macht, lässt die Qualität leicht nach. Wenn man von dieser Fotokopie wiederum eine Kopie macht, verschlechtert sich die Qualität noch einmal mehr. Mit jeder nachfolgenden Generation wird das Ergebnis unschärfer, bis es dem Original schließlich nicht mehr sonderlich ähnelt. Jede Kopie von einer Kopie enthält alle Fehler der vorangegangenen Kopien und steuert selbst noch ein paar Fehlstellen bei. Die Lösung besteht darin, alle Kopien direkt von Original zu machen; auf diese Weise minimiert man die Anfälligkeit für Fehler und stellt sicher, dass die Kopie dem Original so stark wie möglich gleicht. Eine Kopie kann dem Original im besten Fall sehr ähnlich sein – es gibt eben nur ein Original.

Wenn es darum geht, Nachfolger und Leiter zu reproduzieren, lässt sich dasselbe Prinzip anwenden. Jede nachfolgende Generation muss direkt mit dem Original verbunden sein, wenn sie die Reinheit und die Schönheit Gottes erhalten und widerspiegeln möchte. Jede Generation, die nur eine Kopie Gottes nachmacht, enthält die Fehler aus zwei Generationen. Jesus sagte, dass ein Schüler nicht besser sein kann als sein Lehrer; im besten Fall kann er so gut sein wie sein Lehrer (Mt 10,24-25). Wenn der Lehrer jeweils nur das nächst höhere Glied in der Kette ist, dann sinkt die Qualität der Schüler und Lehrer mit jeder Generation. Wenn aber der Schüler lernen kann, Gott als Lehrer zu haben, dann bleibt die Qualität der Schüler gleichbleibend hoch. Nach diesem Modell kann ein Schüler sogar einen größeren Einfluss haben als sein menschlicher Lehrer, wenn er Gott als seinem Lehrmeister nachfolgt.

Paulus hatte verstanden, dass die Menschen, die er ausbildete, Jesus als den eigentlichen Lehrmeister haben mussten. Sie mussten seine Schönheit, seine Reinheit und seine Gestalt in ihrem eigenen Leben verkörpern. Paulus war nur eine Kopie des Lehrmeisters; sie mussten direkt in Kontakt mit dem Original treten. Aus diesem Grund sagte er am Ende zu den Menschen, die sein Werk fortführen sollten:

"Und nun vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an - seiner Botschaft, die euch ermutigen und euch ein Erbe geben kann gemeinsam mit allen, die er für sich ausgesondert hat" (Apg 20,32).

Paulus hatte eine Schlüsselstrategie entdeckt, die nicht nur seine eigenen Bemühungen multiplizierte, sondern auch möglich machte, dass sein Wirken in seiner Abwesenheit weitergeführt werden konnte. Das war offensichtlich ein Problem bei den Gemeinden, die er auf seinen früheren Missionsreisen gegründet hatte (Gal 4,18-20). Und so war es möglich, dass seine vierte Missionsreise, die ihn in Gefangenschaft nach Rom führte, gleichzeitig seine erfolgreichste Reise wurde.

Übersetzung einer gekürzten Fassung des Artikels "A Fresh Perspective of Paul's Missionary Strategies: The Mentoring for Multiplication Model"

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Neil Cole leitet "Church Multiplication Associates" in Kalifornien, U.S.A., eine Organisation zur Förderung von Gemeindemultiplikation. Weitere Informationen: www.cmaresources.org.

Mai 1, 2008 in Gemeindegründung, Leitung, Methodik, Paradigmen | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0)