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Fortschritte feiern

Von Robert E. Logan and Sherilyn Carlton

Nachdem Gott die Welt erschaffen hatte, nahm er sich erst einmal Zeit, um sein Werk zu betrachten – und siehe, es war sehr gut. Er beobachtete, überlegte, ruhte aus. Er stürzte sich nicht sofort auf das nächste Projekt. Wir Menschen sind nach seinem Bild geschaffen, und das heißt: Wir sollten uns auch in dieser Hinsicht an Gott ein Beispiel nehmen.

Wir haben zwar keine derart verantwortliche Aufgabe wie Gott, aber es ist nur gut und natürlich, wenn auch wir uns Zeit nehmen für die Auswertung des Erreichten und unsere Erfolge feiern, bevor wir uns wieder an die Arbeit machen.

Die Auswertungsphase ist die letzte Phase im Coaching-Prozess. Wir sind jetzt an einem Punkt, von dem aus wir Rückschau halten und überlegen können: Was haben wir erreicht? Was haben wir bewerkstelligt? Wie weit sind wir vorangekommen? Allzu oft sind wir versucht, diese Phase einfach zu überspringen und gleich das nächste Projekt in Angriff zu nehmen. Aber damit verschenken wir das enorme Wachstums-Potenzial, das in der Auswertungsphase steckt. Indem wir Rückschau halten und auswerten, nehmen wir uns selbst ernst, demonstrieren Verbindlichkeit und gewinnen Mut und Ausdauer für die nächste Wegstrecke. Wir feiern erzielte Erfolge und nehmen die Zukunft in den Blick. Das macht uns stark für das nächste Wagnis, den nächsten Glaubensschritt. Man sollte niemals das Potenzial unterschätzen, das in der Auswertungsphase steckt. Indem wir uns ehrlich Rechenschaft über das Erreichte geben, gewinnen wir Selbstvertrauen, Gelassenheit und Mut für zukünftige Aufgaben. Und ab und zu darf man sich auch mal das Gefühl der Zufriedenheit gönnen.

Vierzig Jahre lang hat Mose das Volk Israel auf der Wüstenwanderung angeführt. Am Ende dieser vierzig Jahre stieg er auf den Berg Nebo, um einen Blick auf das Verheißene Land zu werfen. Gott gewährte ihm diese Aussicht vom transjordanischen Bergland bis zum Mittelmeer. Das war sein Geschenk an Mose – er erlaubte Mose, das Endprodukt all seiner Bemühungen zu sehen und sich zu vergewissern, dass Gottes Verheißungen nicht in den Wind gesprochen waren.

Durch die Auswertung verändert sich in vielen Fällen der Blickwinkel auf dramatische Weise. Jeff arbeitete mit Sherilyn, um das Verhältnis zwischen seinem geistlichen Leben, seiner Familie und seinem Dienst auszubalancieren. Als Pastor fühlte sich Jeff aufgefressen von seinen Verpflichtungen in der Gemeinde, und sein eigenes geistliches Leben und seine Familie kamen dabei zu kurz. Er stellte sich selbst die Frage: "Was hat wirklich Priorität, und wie kann ich entsprechend leben?" Er formulierte für jeden der drei genannten Lebensbereiche eigene Ziele und versuchte, sie in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen.

Als Sherilyn sich dann wieder mit Jeff zum monatlichen Gespräch traf, fragte sie ihn: "Von welchen Erfolgen können Sie mir erzählen?" Jeff schüttelte den Kopf. "Die vergangenen Wochen sind gar nicht gut gelaufen. Ich habe die Ziele verfehlt, die ich mir für die Gemeindearbeit gesteckt habe." Und dann erzählte er von Erkrankungen der Kinder, von versäumten Sitzungen und von Familienangelegenheiten, die ihn viel Zeit gekostet hatten. Sherilyn hakte nach, es entwickelte sich ein intensiver Dialog. Am Ende des Treffens hielt Jeff einen Moment inne und sagte dann: "Wenn ich es recht bedenke, war es eigentlich doch ein guter Monat. Ich habe entsprechend meiner Prioritäten gelebt. Ich habe Entscheidungen getroffen, die meiner Familie zugute kamen, und das war es ja gerade, was ich mir schon früher vorgenommen, aber nie erreicht hatte. Alles in allem war es ein wirklich erfolgreicher Monat."

Zu Beginn des Coaching-Gesprächs war Jeff recht niedergeschlagen gewesen. Am Ende hatte er wieder Selbstvertrauen und zeigte regelrecht Begeisterung. Es war ihm klar geworden, dass er seinem selbst gesteckten Ziel näher gekommen war und dem, was ihm wichtig war, mehr Geltung verschafft hatte. Das machte ihm zugleich Mut, in dieser Richtung weiter zu marschieren. Sherilyn und er hatten wirklich allen Grund, diesen Sieg zu feiern.

Und wie kann dieses Feiern aussehen? Dafür gibt es so viele Möglichkeiten, wie es Menschen gibt. In vielen Fällen wirkt schon eine anerkennende Bemerkung des Coaches Wunder. Manchmal muss man sich aber auch etwas Besonders einfallen lassen.

Sherilyn schreibt dazu: "Gelegentlich habe ich einem Klienten eine E-Card geschickt oder eine Nachricht etwa des Inhalts 'Glückwunsch! Ich weiß, das war sehr hart für Sie. Sie haben sich das schon so lange vorgenommen, jetzt ist es wahr geworden.' Ich habe auch schon Leute ermutigt, sich selbst zu belohnen. Sie können schon im Voraus überlegen, womit sie sich belohnen wollen. Manche haben sich einen Tag im Vergnügungspark geschenkt, andere haben sich einen Tag für sich allein mit einem guten Buch gegönnt; andere haben sich einen Tag im Schönheitssalon in Aussicht gestellt. Wenn jemand einen richtig großen Erfolg erzielt hat, dann schlage ich zumeist eine Verschiebung des nächsten Coaching-Gespräches nach hinten vor. Ich sage den Leuten: 'Sie haben hart für diesen Sieg gearbeitet. Lassen Sie uns mal eine Pause einlegen. Verwenden Sie die Zeit, die Sie im Gespräch mit mir verbracht hätten, für sich. Lassen Sie es sich gut gehen – nehmen Sie ein Entspannungsbad, gehen Sie in die Berge, vergraben Sie sich in einer Buchhandlung.' Wichtig ist, dass man aktiv Ausschau hält nach dem, was gelungen ist, und dass man dann Möglichkeiten ersinnt, den Erfolg angemessen zu feiern."

Coaching1x1_1_2 Dieser Auszug wurde dem Buch Das Coaching 1x1 von Robert E. Logan und Sherilyn Carlton entnommen. Das Coaching 1x1 führt Schritt für Schritt durch den Coaching-Prozess in einer Weise, die den Lesern die Umsetzung in tagtäglichen Dienstsituationen erleichtert. Das Coaching 1x1 kann direkt bei CoachNet Deutschland bezogen werden.

Robert E. Logan leitet "CoachNet International Ministries" und ist als Trainer, Berater und Coach in mehr als 40 Denominationen tätig. Sherilyn Carlton ist ein erfahrener Coach in Lebens- und Leiterschaftsfragen ("Destination Coaching"). Beide Autoren leben in den USA.

April 29, 2005 in Coaching | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (1) | TrackBack

Coachtraining für Gemeindeverband

Ein verbandsinternes Coachtraining führte CoachNet D.A.CH. für das Gemeindegründungswerk im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden vom 11.-13.4.05 durch. Das Besondere: Der Workshop wird mit einem 9-monatigen Training on the Job verbunden.

Das Konzept:

1.    Rollen im Trainingsprozess

§         Coach-Trainer = Ausbilder  von Coachtrainees. Er führt die Coachinggespräche mit den Trainees.

§         Coachtrainee = Coach in der Ausbildung.

§         Coachee = erhält Ausbildung vom Coachtrainee, ohne dabei andere zu coachen.

§         In diesem Ausbildungsprozess werden die meisten von uns Coach-Trainer und Coachtrainee zugleich sein.

2.    Der Trainingsablauf in Detail

Vorbereitendes Training

·         Der Coachtrainee findet zwei Personen, die er während dem Ausbildungsprozess coacht.

·         Der Coachtrainee erhält das Buch „Das Coaching 1x1“.

·         Der Coachtrainee liest vor dem ersten Telefonat mit seinem Coach-Trainer die ersten zwei Kapitel in „Das Coaching 1x1”.

·         Der Coachtrainee hat drei Coachingtermine mit dem Coach-Trainer vor Beginn des intensiv Workshops. Ein Coachingtermin dauert 45 Minuten.

§         Diese Coachinggespräche dienen dazu den Coaching-Prozess vorzubereiten. Diese Erfahrung wird den Coachtrainees helfen, eine größere Anzahl von praktischen Fragen bezüglich des Coachings während des Workshops zu stellen.

Workshop

Coaching lernt man am besten, wenn man es praktiziert. Der Workshop bietet vor allem Raum, die in der vorbereitenden Arbeit erlernten Konzepte auszuarbeiten.

Dscf0small_1Der Coachtrainee nimmt am dreitägigen Workshop teil.

§         Der Coachtrainee wird hier praktisches Training erfahren, er wird mit dem „Coaching 1x1“ und dem „Grundkurs Coaching“ arbeiten, sowie mit anderen Coaching-Hilfsmitteln. Dieser Workshop hilft Coaches, entscheidende Fähigkeiten des Coachings zu erlernen und anzuwenden, und diese mit den 5 R’s des „Coaching 1x1“ in Verbindung zu bringen.

§         Entwicklung von Kernkompetenzen. Die Teilnehmer werden in den Kernkompetenzen des Coachings ausgebildet und sie werden Erfahrungen in diesem Bereich sammeln.

Coaching in Aktion (nach dem Workshop)

·         Der Coachtrainee beginnt mit dem Coaching zweier Personen so fern dies noch nicht bereits geschieht.

·         Der Coachtrainee hat sechs weitere Coaching Sitzungen mit dem Coach-Trainer.

§         Diese Coaching-Beziehung bringt die Coachtrainees tiefer in die Rolle eines Coaches. Zusätzliches Coaching sorgt für Anleitung, damit die Einführung in den Coachingprozess auch tatsächlich zu effektiven Coaching-Beziehungen führt.

·         Der Coachtrainee nimmt an zwei Trainer-Feedback Sitzungen teil.

§         Bei zwei Coachinggesprächen, die der Coachtrainee führt, schaltet sich der Coach-Trainer per Telefonkonferenz zu und gibt hinterher schriftlich Feedback. Alternativ kann das Gespräch aufgezeichnet und an den Coach-Trainer geschickt werden.

Überblick über den ca. 9-monatigen Ausbildungsprozess:

Modell

Dieser Ausbildungsprozess findet in diesem Jahr auch noch im Bund Freier ev. Gemeinden statt, sowie bei den Southern Baptists Germany, Vineyard D.A.CH. und den Siebenten-Tags-Adventisten.

April 19, 2005 in News | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0) | TrackBack

Leben in beiden Welten?

Von Christoph Schalk

"Ja, der lebt in beiden Welten", rutschte es mir kürzlich bei einem PRAXIS-Redaktionstreffen heraus. Gemeint war damit ein Autor, der es doch tatsächlich schaffte, Vorbild für geistliches Wachstum und gleichzeitig Gemeindewachstumsexperte zu sein. Persönliches Wachstum und Gemeindewachstum – sind das wirklich zwei Welten? Vielleicht ist es hilfreicher, erst zu fragen: Woher kommen diese beiden "Welten" und wozu führen sie?

"Ja, der lebt in beiden Welten", rutschte es mir kürzlich bei einem PRAXIS-Redaktionstreffen heraus. Gemeint war damit ein Autor, der es doch tatsächlich schaffte, Vorbild für geistliches Wachstum und gleichzeitig Gemeindewachstumsexperte zu sein. Persönliches Wachstum und Gemeindewachstum – sind das wirklich zwei Welten? Vielleicht ist es hilfreicher, erst zu fragen: Woher kommen diese beiden "Welten" und wozu führen sie?

In meinen Gesprächen mit anderen Christen, sei es in meinem Hauskreis, in meiner Gemeinde oder auch in anderen Gemeinden, die ich als Gemeindeberater besuche, stelle ich immer wieder fest, dass die meisten eine "Brille" aufhaben: Sie sehen ihr Leben als Christ und auch die Gemeinde auf eine bestimmte Art und Weise. Leider nur beheben diese "Brillen" keinen Sehfehler, sondern produzieren einen! Während es beim Augenarzt Brillen gegen Kurz- oder Weitsichtigkeit gibt, scheint mir, dass unsere "frommen Brillen" manche Sehfehler gerade zu erst hervorrufen.


Unterschiedliche Perspektiven im Konflikt

Da bin ich zum Beispiel in einer Gemeinde, die Beratung in Anspruch nimmt, weil sie gemerkt hat, dass es mit dem geistlichen Leben ihrer Mitglieder nicht zum Besten steht. Die Leitung will hier was tun – geistliches Wachstum ist angesagt. In der Beratung sprechen wir über die unterschiedlichsten Schritte, die weiterhelfen könnten: Glaubenskurse, Gebetszeiten, Christen beim Entdecken ihrer Gaben helfen, "Leidenschaftskiller" identifizieren und anderes mehr. Eine gute Mischung aus geistlichen und strategischen Maßnahmen also. Doch nach einiger Zeit der Diskussion meldet sich eine Frau zu Wort: "So kommen wir hier nicht weiter. Alles, was wir hier machen können, ist doch, einfach nur zu beten."

Ich nenne das die "spiritualistische Brille" – alles wird einseitig geistlich, und damit eigentlich nicht mehr geistlich gesehen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Gebet ist hier absolut notwendig und wichtig, falsch in der Aussage ist das "nur". Doch gerade dieses "nur" führt dann oft zu Stillstand in der Gemeindearbeit, ja sogar zu – oft unterschwelligen – Konflikten und zur Lagerbildung zwischen den vermeintlich "Geistlichen" und den "Ungeistlichen".

Aber es gibt auch noch die andere Brille, die ich die "technokratische" nenne. Ein typisches Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Eine Gemeinde mit dem Minimumfaktor "liebevolle Beziehungen" hat mich zu einem Seminar eingeladen. Konzentriert und konstruktiv arbeiten wir einen ganzen Samstag daran, wie Beziehungen in der Gemeinde gebaut, gefördert und vertieft werden können. Doch am Nachmittag reißt einem der Teilnehmer offensichtlich der Geduldsfaden: "Mit diesem soften Geschwafel bringen wir unsere Gemeinde nie zu mehr Wachstum! Was wir brauchen sind Strategien! Und Ziele! Messbare Ziele! Nicht nur so etwas undefinierbares wie 'Liebe'!"

Jeder von uns bringt seine "Brille", seine Erfahrungen und seinen Hintergrund mit, wenn es um Wachstum – persönliches Wachstum wie auch das Wachstum der Gemeinde – geht. Der eine sieht Dinge eher strategisch-strukturell, der andere eher geistlich-organisch. Das ist beides zunächst einmal gut so. Zum Problem wird es allerdings, wenn wir nur noch diesen einen Schwerpunkt sehen, und nicht mehr, dass sich beide Seiten ergänzen und im Gleichgewicht halten müssen.


Unterschiedliche Perspektiven in Balance

Im Neuen Testament wird Gemeinde unter beiden Aspekten beschrieben: als lebendiger Organismus genauso wie als Organisation, die gebaut werden muss. Besonders spannend: Verquickungen beider Aspekte, die zu ungewöhnlichen Wortkombinationen führen. So schreibt Petrus von "lebendigen Steinen" (1 Petr 2,5). Paulus spricht vom "Wachstum des Tempels" (Eph 2,21) und davon, dass der "Leib Christi gebaut" wird (Eph 4,12). Als Gemeinde sind wir gleichzeitig "Gottes Ackerfeld" und "Gottes Bau" (1 Kor 3,9).

Hier etwas auseinander zu reißen, das zusammen gehört, ist zutiefst unbiblisch – und in der Praxis wenig hilfreich. In meiner Forschungsarbeit beim "Institut für natürliche Gemeindeentwicklung International" habe ich die Daten von mittlerweile fast 35.000 Gemeinden aus 70 Ländern auf diese Frage hin analysiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Korrelationen (hier geht es um den statistischen Zusammenhang zwischen zwei Variablen) zwischen typischen Indikatoren der "technokratischen Brille" bzw. der "spiritualistischen Brille" auf der einen Seite und dem Wachstum und der Qualität von Gemeinden auf der anderen Seite ist gleich null.

In unserer Forschung ging es dabei um in der Praxis bewährte Indikatoren wie:

  • Wachstumsziele hinsichtlich des Gottesdienstbesuchs

  • Bereitschaft, im Blick auf geistliche Dinge zu planen und zu organisieren

  • Gebet für Erweckung

  • Geistliche Kampfführung

Anders ausgedrückt: Ob sich Gemeinden das Ziel setzen, bis zu einem bestimmten Termin die Zahl ihrer Gottesdienstbesucher auf die Zahl X gesteigert zu haben, hat weder einen Einfluss auf ihr tatsächliches Wachstum noch auf die Qualität dieser Gemeinden. Schrumpfende wie wachsende Gemeinden setzen sich dieses Ziel etwa gleich häufig – ohne jede Konsequenz alleine aus dieser Maßnahme. Und auch ihr Qualitätsindex, gemessen mit dem Gemeindeprofil der natürlichen Gemeindeentwicklung, kann keinen Auswirkungen auf die Qualität dieser Gemeinden nachweisen.


Was tun?

Wie können wir nun mit unseren "Brillen" umgehen? Ich sehe vier Schritte:

1. Die eigene "Brille" wahrnehmen

Auch wenn die Begriffe "spiritualistisch" und "technokratisch" negativ klingen: Negativ werden sie eigentlich nur durch ihre Einseitigkeit. Ansonsten geht es hier ja um wertvolle und biblische Teil-Sichten. Ein erster Schritt ist also das Wahrnehmen – und Akzeptieren – der eigenen bevorzugten Sichtweise. Und vielleicht auch noch das Reflektieren darüber, wie es in der persönlichen Biografie zu dieser Sicht kam. Warum nehme ich geistliches Wachstum und Gemeinde so wahr wie ich es tue?

2. Die "Brillen" anderer Christen wahrnehmen

Ein zweiter Schritt könnte sein, die Sichtweisen anderer Christen – in meinem Hauskreis, in meiner Gemeinde – bewusst wahrzunehmen, ohne aber dadurch Feindbilder aufzubauen. Im Gegenteil: Diese teilweise diametral der eigenen Sichtweise entgegen gesetzten Sichtweisen als Teil der ganzen Wirklichkeit zu akzeptieren, stellt einen wichtigen Schritt in unserem Wachstum zu geistlicher Reife dar. Wichtig dabei: Unser eigenes Wachstum ist unabhängig davon, ob der andere seine Sichtweise schon "reif" als Teil des Ganzen wahrnimmt oder ob er sie "unreif" verabsolutiert. Hier könnte es helfen, an die berühmte Geschichte zu denken, in der mehrere Blinde einen Elefanten beschreiben sollen: Einer berührt den Elefanten am Rüssel und beschreibt ihn folgerichtig als schlauchartig. Ein andere berührt ihn am Bein und beschreibt ihn deshalb als Baumstamm. Jeder hat Recht – aber nicht ausschließlich!

3. Sich gegenseitig ergänzen

In 1 Kor 12 lesen wir von der Gemeinde als Leib Christi – mit unterschiedlichen Gliedern, die sich in ihrer Vielfalt ergänzen sollen. Das ist auch für unterschiedliche "Brillen" hilfreich. Es ist geradezu die Therapie zur Korrektur unserer Sehfehler. Geistliches und Strategisches, Organismus und Organisation, Leben und Struktur, Persönliches und Gemeinde-Wachstum gehören zusammen!

4. Wachstum biblisch verstehen

Die Schlüsselfrage hinter dem Streit der beiden "Brillen" ist die Frage, wie Wachstum – egal ob persönlich-geistliches oder Gemeinde-Wachstum – wirklich geschieht und was man dafür tun muss. Ich halte das so genannte "Gleichnis von der selbst wachsenden Saat", das Jesus in Markus 4 erzählt, für einen Text, der uns hier entscheidend weiterhilft – und uns auch hilft, in "beiden Welten" zu leben (die ja, genau genommen, nur zwei Sichtweise ein und derselben Welt sind).

Jesus erklärt hier: "Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da." (Mk 4,26-29)

Auf den ersten Blick scheint es so, als ob der Bauer, von dem hier die Rede ist, ein ziemlich fauler Mensch ist: Er sät ein bisschen und legt sich dann ins Bett. Tatsache ist natürlich, dass die Landwirtschaft harte Arbeit ist: Der Boden muss gepflügt und vorbereitet werden, Steine müssen aufgeklaubt werden, nach dem Säen muss das Feld bewässert werden (wir dürfen nicht vergessen, dass diese Geschichte in Israel spielt, wo ohne Bewässerung nichts wächst!), Unkraut muss gejätet werden usw.

Der Bauer hat also eine klar umschriebene Aufgabe: Das Wachstum ermöglichen, indem er ein wachstumsförderliches Umfeld schafft. Was allerdings nicht seine Aufgabe ist: das Wachstum selbst zu machen. Er kann nicht an den Halmen ziehen, damit die Pflänzchen schneller wachsen! Damit würde er nur alles zerstören.

Wer also ist für das Wachstum zuständig? Im Gleichnis heißt es nur, dass die Erde "von selbst" Frucht bringt. Was für uns so beinahe atheistisch oder gar technisch klingt (im Griechischen steht hier das Wort "automate"), macht den jüdischen Zuhörern von Jesus klar: Hier ist Gott selbst am Werk. Gott gibt das Wachstum, während der Bauer alles dafür vorbereitet.

Wir lesen hier also von einem "Joint Venture", einer genialen Zusammenarbeit von Gott und Mensch in Sachen Wachstum: Die Aufgabenbeschreibung für uns lautet: Wachstum ermöglichen. Die Aufgabenbeschreibung Gottes hingegen ist das Wachstum selbst. So wie es Paulus auch in 1 Kor 3 zum Ausdruck bringt: "Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen. (…) Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau." (1 Kor 3,6+9)

Können wir Wachstum also machen? Ja und nein. Wir können es nicht direkt "erzeugen", wir können (und müssen) aber etwas dafür tun. Denn ohne unser Tun wächst nichts. Unsere Aufgabe: Das Leben als Christ und das Leben (in) der Gemeinde in seiner zweipoligen Ganzheit wahrzunehmen und entsprechend zu handeln: strategisch und geistlich.

Christoph Schalk ist Diplom-Psychologe und leitet zusammen mit Christian A. Schwarz das Institut für natürliche Gemeindeentwicklung International; dort ist er für den Bereich "Forschung" und die Ausbildung der nationalen Partner der NGE und ihrer Beraternetzwerke in 70 Ländern zuständig.

April 19, 2005 in Paradigmen | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0) | TrackBack

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      Jeder Leitfaden vermittelt Kerngedanken, bietet Checklisten, Hilfen zur Aktionsplanung, Fragen zum Nachdenken, Arbeitsblätter und Links zu verwandten Themen.

      3. Arbeitsblätter

      Das CoachNet ProfiWeb enthält über 250 ausdruckbare Arbeitsblätter (im PDF-Format, die mit dem kostenlosen Acrobat-Reader geöffnet werden können). Diese Arbeitsblätter sind äußerst hilfreich, wenn Sie mit anderen in Ihrer Gemeinde planen und Ihre Strategien umsetzen wollen.

      Die Arbeitsblätter entsprechen exakt den Arbeitsblätter, die Sie auch in folgenden Büchern finden:

      • Logan & Ogne: Der Gemeindegründungs-Werkzeugkasten
      • Logan & Cole: Mehr und bessere Leiter
      • Ogne & Nebel: Coaching
      • Logan, Clegg. Buller, Schalk: Mehr und bessere Gemeinden
      • Logan & Cole: Churches Planting Churches (nicht auf deutsch erhältlich)

      (Die deutschen Titel können in unserem Shop bestellt werden.)

      4. Diskussions-Foren

      In den Diskussions-Foren können Sie mit anderen Mitgliedern des CoachNet ProfiWebs Kontakt aufnehmen und sich über Ihre Erfahrungen im Gemeindeaufbau austauschen. Es gibt eine Reihe von Foren zu unterschiedlichen Themen, die für alle Mitglieder offen sind. Außerdem haben jeder Trainingskurs und bestimmte Unter-Netzwerke ihr eigenes Forum.

      Arbeitsgruppen und Verbände, die sich ein eigenes Netzwerk im ProfiWeb (als ihr Intranet) einrichten lassen, haben die Möglichkeit, private Foren für ihre Teamarbeit zu nutzen.

      Folgende öffentliche Foren werden zurzeit angeboten:

      • Gemeindeentwicklung
      • Zellgemeinden
      • Gemeindegründung und -multiplikation
      • Außerdem: Eine große Zahl von englischsprachigen Foren

      5. Training

      Neben dem Training in Trainingscentern und anderen Ausbildungsstätten will das CoachNet ProfiWeb auch das Lernen vom heimischen Schreibtisch aus ermöglichen. Online-Training ermöglicht, dass man sich maßgeschneidert spezielle Fähigkeiten und spezielles Wissen aneignet.

      Das CoachNet ProfiWeb bietet Kurse zum Selbststudium und Kurse, die von Mentoren betreut werden, an. Zusätzlich zum Kursinhalt steht den Kursteilnehmern ein spezielles Forum zum Thema des Kurses zur Verfügung. Jeder Kurs enthält:

      • Schlüsselfragen, die beantwortet werden müssen
      • Hintergrundinformationen zum Thema, die erarbeitet werden müssen
      • Vertiefungsfragen

      6. Coaching

      Coaching bedeutet, jemandem zu helfen, so dass er Erfolg hat. Das CoachNet ProfiWeb bietet ein System, mit dem Coaches einfach Überblick über ihre Coachingtermine, -themen und -treffen behalten können. Coaches können sich hier direkt Notizen machen, E-Mails an einzelne oder alle Coachees verschicken und die gesammelten Informationen systematisch auswerten. Coachingfortschritte lassen sich leicht abrufen.

      Links zu Checklisten und Arbeitsblättern sowie zu Literatur helfen den Coaches bei ihrer Arbeit.

      Auch Online-Coaching über das Internet ist möglich.

      7. Netzwerke

      Gemeindeverbände und Denominationen, kirchliche Einrichtungen und andere Verbände können im CoachNet ProfiWeb eigene Netzwerke mit Unter-Netzwerken einrichten, die nur ihren Mitgliedern zugänglich sind. Interessierte Gruppen können sich von uns individuell beraten lassen.

      8. E-Mail

      Ein internes E-Mail-System hilft, mit anderen CoachNet ProfiWeb-Mitgliedern in Kontakt zu treten.

      Was kostet das CoachNet ProfiWeb?

      Eine Jahresmitgliedschaft kostet nur € 59,- und kann in unserem Internet-Shop beantragt werden. Ein Zugangspasswort schicken wir dann umgehend zu.


      April 19, 2005 | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0) | TrackBack

      Die Zeitschrift "praxis" im PDF-Format

      Praxcov94_180_1 Die Themen "Gemeindeentwicklung" und "Gemeindewachstum" sind in den letzten Jahren in vielen Denominationen, Initiativen, Arbeitskreisen und Instituten aufgenommen worden und haben eine weite Verbreitung gefunden. Uns wurde klar: Es ist Zeit für Veränderung! Wir brauchen ein größeres Fundament!

      Wir freuen uns sehr, dass wir mit der Zeitschrift AUFATMEN einen Partner gefunden haben. Hier werden Kräfte gebündelt und es kommt zusammen, was auch organisch zusammen gehört: Gott begegnen, Pflege der geistlichen Wurzeln (ohne die kein Gemeindeaufbau gelingen kann), Anregungen zum Leben und eben die Praxis des gemeindlichen Alltags – Gemeindeaufbau, Gemeindeentwicklung.

      praxis wird seinen Schwerpunkten treu bleiben. Wir greifen weiterhin aktuelle Themen der Gemeindeentwicklung auf und verdeutlichen sie anhand von Praxisbeispielen. Gleichzeitig werden wir alles daran setzen, um die Vielfalt, mit der im deutschsprachigen Raum und weltweit Gemeinde Ereignis wird, besser als bisher widerzuspiegeln.

      April 19, 2005 in Zeitschrift praxis | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0) | TrackBack

      Das Stabspiel: Ein Teamspiel mit großer Wirkung

      Daniel Catalano

      "Dass ein Spiel mich so positiv mitnimmt, hätte ich nicht gedacht!" – "Ich bin überrascht, wie viel ich aus einem Teamspiel lernen kann." Aussagen wie diese stammen von Seminarteilnehmern, die an einem einfachen und doch sehr effektiven Teamspiel mitgemacht haben. Sie können es in ihrer Gemeinde, ihrem Hauskreis oder in irgendeiner beliebigen Gruppe innerhalb von 5-10 Minuten anwenden. Hier erfahren Sie wie.

      Um was geht es in diesem Spiel?

      Das Spiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich als Teil eines Ganzen (Teams, einer Gemeinde, einer Gruppe) zu verstehen, in dem es kaum möglich ist, sein Ding "allein" durchzuziehen ohne ungewollte "Nebenwirkungen" in Kauf zu nehmen. Ein Ziel kann schneller erreicht werden, wenn sich alle darauf konzentrieren, in der Kommunikation und im Verhalten aufeinander einzugehen und sich abzustimmen (gesunde Vernetzung).


      Biblischer Bezug

      In 1 Kor 12 beschreibt Paulus die Gemeinde als den Leib Christi, in dem alle Glieder eine vernetzte Einheit bilden. In dieser sind alle Glieder aufeinander bezogen und angewiesen. Die so genannten biotischen Prinzipen der natürlichen Gemeindeentwicklung (NGE) bauen auf Erkenntnisse dieser vernetzten Sichtweise gemäß 1 Kor 12. Das Schlüsselprinzip der biotischen Prinzipien ist deshalb "Vernetzung".


      Zum Spielablauf

      Stab1_250 8-10 Personen werden gebeten, einen etwa 2-3 Meter langen Stab (aus Holz oder besser Bambus) zu halten. Der Seminarleiter hebt den Stab waagrecht in Schulterhöhe der Teilnehmer und erklärt den Teilnehmern, dass der Stab nur mit dem Zeigefinger berührt/gehalten werden darf. Bei 10 Teilnehmern stehen sich also jeweils 5 Teilnehmer fast Schulter an Schulter (Abstand von Schulter an Schulter ca. 20-30 cm) gegenüber, mit dem Stab in der Mitte. Der rechte Arm aller Teilnehmer wird leicht angewinkelt auf Schulterhöhe ausgestreckt, so dass bei jedem der Stab auf dem Zeigefinger liegt (die Hand eines jeden "zeigt" mit dem Zeigefinger sozusagen in Schulterhöhe wie eine Pistole auf die gegenüberliegende Person und der Stab liegt auf den Zeigefingern aller Teilnehmer).

      Zwei wichtige Vorgaben müssen den Teilnehmern kommuniziert werden:

      (1) Alle, die den Stab halten, müssen ihn auch gemeinsam auf den Boden legen.

      (2) Der Zeigefinger eines jeden Einzelnen muss zu jeder Zeit während des Spiels den Stab berühren.

      Das Spielziel ist erreicht, wenn es einem Team gelungen ist, den Stab gemeinsam auf dem Boden abzulegen.

      Dann geht’s los: Der Seminarleiter gibt den Stab frei und überlässt ihn dem Team. Einzelne Teammitglieder möchten gleich beim Start in die Knie gehen, da sie wohl davon ausgehen, dass die Aufgabe schnell erledigt werden kann. Obwohl jeder das Ziel schnell erreichen will (den Stab auf den Boden abzulegen), kommt das Team überraschenderweise nur sehr langsam voran. In den ersten Sekunden sagt kaum jemand etwas. Doch bald schon beginnen die ersten Teammitglieder, deutliche Kommandos zu geben. Befehle, Anweisungen, Tipps und Ratschläge einzelner Teilnehmer werden teilweise befolgt, teilweise einfach überhört.

      Manche werden ungeduldig, weil sie kaum Fortschritt sehen: "Das gibt’s doch nicht! Warum dauert das so lang?" Andere beginnen, einzelne Teammitglieder zu fragen, ob sie denn auch wirklich den Stab unten ablegen wollen oder einfach nur heben oder gar nach oben drücken! Auf einmal trifft etwas Unerwartetes ein: Der Stab spielt nicht so mit, wie es die meisten wollen. An irgendeiner Stelle hebt sich der Stab und die anderen Teilnehmer versuchen, dies irgendwie auszugleichen. Ob sie dabei gewollt haben, dass der Stab insgesamt wieder viele Zentimeter angehoben wird?

      Stab2_250 Nach dem kleinen "Schock" möchte das Team die verlorenen Zentimeter wieder gut machen. Die unterschiedlichen Stimmen werden plötzlich weniger. Es wird nicht mehr so durcheinander geredet wie vorher. Eine deutlich bessere Koordination spielt sich ein. Die Hektik nimmt ab. Das Team versucht nun "als Ganzes", durch eine aufmerksamere Kommunikation den Stab gemeinsam abzulegen. Plötzlich hört man sogar ermutigende Ausrufe ("Ja, so klappt das!" – "Langsam, langsam, nur noch wenige Zentimeter!"). Der Balanceakt wird spürbar leichter. Das Team macht schnellere Fortschritte. Wenn auch nicht innerhalb der nächsten Sekunden, so liegt doch innerhalb der nächsten Minuten der Stab auf dem Boden. Das Ziel wurde gemeinsam erreicht.


      Aus der gemeinsamen Erfahrung lernen

      Ein solches Teamspiel gibt die Möglichkeit, Information in die eigene Sprache und Assoziationswelt zu übersetzen. Dieses Spiel aktiviert die Teilnehmer und verknüpft den Lernprozess mit einem echten Erlebnis. Im anschließenden gemeinsamen Austausch wird die Spielerfahrung auf das Teamverhalten transferiert.

      (1) Innerhalb eines Teams (eines Organismus) wirkt sich jede Aktion des Einzelnen aus. Ziel: Eine teamorientierte und vernetzte Sichtweise meiner Aktionen und Möglichkeiten

      Die Vorgabe, mit dem Finger am Stab zu bleiben, bildet die Grundlage, um etwas Entscheidendes klar zu machen: Solange keine Person aus dem Team "aussteigt" (und damit nicht mehr dazu gehört), werden alle Bewegungen der Teammitglieder immer in irgendeiner Art und Weise den Ablauf beeinflussen und sich auch auf die anderen Mitglieder im Team (in einer Gruppe, in einer Gemeinde) auswirken. Es gibt keine "neutrale" Position. Auch passive Teamspieler beeinflussen den Ablauf. Jede Bewegung wirkt sich auf die Stabhöhe aus. Das heißt aber nicht, dass übermäßige Bewegungen nötig oder gar effektiv sind. Eine so genannte "Übersteuerung" kann auch stattfinden. Dies geschieht, wenn der Stab schief liegt und zu viele Leute auf einmal und ohne Fingerspitzengefühl versuchen, diese Schieflage auszugleichen. So kann der Stab im Spiel unter Umständen höher zu liegen kommen als in seiner Ausgangslage.

      In 1 Kor 12 lesen wir von der Gemeinde als Leib Christi – mit unterschiedlichen Gliedern, die sich in ihrer Vielfalt gegenseitig beeinflussen und ergänzen sollen. Das Spiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich als Teil eines Ganzen (Teams, einer Gemeinde, einer Gruppe) zu verstehen. Wer sich also der ohnehin vorhandenen Vernetzung (man beeinflusst sich gegenseitig) bewusst wird und eine mögliche gesunde Vernetzung (teamorientiertes und auf einander feinfühlig abgestimmtes Handeln) umsetzt, wird die besten und schnellsten Ergebnisse erzielen.

      (2) Unterschiedliche Vorstellungen bewusst machen und lernen, damit umzugehen. Ziel: Eine positive, teamorientierte Reaktion

      Alle wollen zwar das gleiche Ziel erreichen, aber die Reaktion auf den Verlauf der Teamaktivität ist unterschiedlich. Manche gehen davon aus, dass das Ziel innerhalb kürzester Zeit erreicht werden kann. Andere meinen, dass der Stab auf keinen Fall angehoben werden dürfe, will man dem Ziel näher kommen (nämlich den Stab am Boden abzulegen). Dementsprechend fallen auch die Reaktionen aus – von Erstaunen über Frust bis hin zu (versteckten oder offenen) Vorwürfen an andere. Sogar die Möglichkeit einer "Sabotage" ("Da drückt doch jemand bewusst nach oben!") kann eingeräumt oder ausgesprochen werden.

      Hier ist es hilfreich, ein Team als lebendigen Organismus zu verstehen, in den jedes einzelne Teammitglied unterschiedliche Vorstellungen mitbringt. Dabei sind die unterschiedlichen Vorstellungen in Bezug auf das wie oder wie schnell etwas "abzulaufen" hat, nicht das Problem. Es ist die Art und Weise, wie die Beteiligten mit diesen Vorstellungen und den auftretenden Störungen umgehen. Mit ihnen muss gerechnet werden, auch wenn offensichtlich alle das Ziel erreichen möchten. Das gemeinsame Reden darüber, das Abgleichen von Vorstellungen und das Vorbereiten auf mögliche und unerwartete Störungen kann helfen, dass die einzelnen Reaktionen in der Durchführung einer Teamaufgabe nicht hinderlich oder negativ aufeinander einwirken.

      Teams bzw. Gemeinden, die als lebendige und vernetzte Organismen agieren möchten, müssen also von jedem einzelnen Mitglied so gesehen und in allem als solche behandelt werden.

      Daniel Catalano (28) ist verheiratet mit Miriam und gibt Intensiv-Seminare zum Erlernen und Anwenden der biotischen Prinzipien der natürlichen Gemeindeentwicklung (Projektpartner von Christoph Schalk). Gerne können Sie ihm ihre Fragen per E-Mail stellen oder ihn für ein Seminar einladen.

      April 5, 2005 in Methodik | Permalink | Artikel verschicken | Kommentare (0) | TrackBack